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NIETZSCHE VERBRECHER
"Ich bin […] ein anständiger Verbrecher"

"Dieser Verbrecher…dürstete nach dem Glück des Messers!" ("Also". Vom bleichen Verbrecher)
FnVerbrecherMarie "Und alles Volk soll sprechen: heilig ist dieser Verbrecher" (F 1882 4[20]).

 

Hier ist eine strukturierte Liste von Sätzen, wörtliche Zitate, aus Nietzsches Schriften mit Vokabeln über das Thema ‚Verbrecher’, um das Verbrecherische in Nietzsche zu erklären.
Für Nietzsche das Verbrechen (Mord, Raub, Vernichtung, Haβ, usw.) von seiten der Groβen und Starken ist ehrenvoll, die Tugend (Moral, Mitleid, Keuschheit, usw.) von seiten der Niedrigen und Schwachen ist verächtliches Verbrechen, und ‚Kapitalverbrechen' in Sachen des Geschlechts.
Nietzsche berechtigt den groβen Verbrecher, verachtet aber den niedrigen Verbrecher, und immer positiv beurteilt und lobt das Verbrechen, das Böse, die böse Handlung, die Umwertung der Werte folgend, als die höchste Probe der Stärke gegen die Werte, die Tafeln, die Gesetze, die Gebote, die Natur. Der Verbrecher macht mit Sich und mit den Anderen was er will, mit seinem irrationellen Willen zur Macht und mit seiner radikalen "ungeheuren" Umwertung der Werte, er ist jenseits von Gut und Böse, von Wahrheit und Lüge, von Tod und Leben.
Die Gesellschaft, sagt Nietzsche, ist schuldig, sie begeht ‚Verbrechen' weil sie straft den Verbrecher, während der Verbrecher ist unschuldig, würdig, vornehm; er "verbessert" die Gesellschaft mit der Durchbrechung ihrer Ordnung, und vorbereitet die Zukunft.
Nietzsche  identifiziert sich stolz mit den Massenmördern von Frauen [Photo], und programmiert die eugenetische Vernichtung, die Ausrottung und Aussterbelassen von allen "Entarteten" und "Miβratenen": "Die Schwachen und Mißratenen sollen zugrunde gehn: erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen" ("Der Antichrist" 2).
Weil an Mitleid mit den Anderen in Nietzsche, man nicht denken kann ("pfui Teufel!"), die Frage ist: was für ein Verbrechen Nietzsche begangen hat, um auf solche Hartnäckigkeit das "groβe" Verbrechen zu entschuldigen, verteidigen, berechtigen und loben sich anstrengt? Und, ebenfalls, was für ein Verbrechen ("Strafe") ist gegen Nietzsche begangen um diese paroxistische Rache zu entfesseln, jenseits von seiner mentalen und physiologischen Krankheit? (Cf. "meine Feinde" wie in: "Böseres tatet ihr mir, als aller Menschen-Mord ist; Unwiederbringliches nahmt ihr mir – also rede ich zu euch, meine Feinde!" ("Also". Das Grablied). "Verbrecher der Verbrecher ist folglich der Philosoph" (Handschriftliches von Nietzsche am 30. Sept. 1888. "The Antichrist" 62f.; Cf. Nietzsche loco).
Diese Sätze sind nur ein Muster der nietzschischen Lust an Grausamkeit (Sadismus - Masochismus) als eine der ungeheuren und mächtigen Instinkten von Friedrich Nietzsche, das erklärt werden soll in zukünftigen Untersuchungen mit Vokabeln wie: Grausamkeit, Gewalt, Leiden, Lust, Wehe-tun, Schaden, Schmerz, Glück, Krankheit, Blut, Rache, Selbstpeinigung, usw. "der Wille zur Zerstörung als Wille eines noch tieferen Instinkts, des Instinkts der Selbstzerstörung, des Willens ins Nichts" (Nachlass 55). "Fast alles, was wir ‘höhere Kultur’ nennen, beruht auf der Vergeistigung und Vertiefung der Grausamkeit; dies ist mein Satz" ("Jenseits" 229). "O über diese wahnsinnige traurige Bestie Mensch! Welche Einfälle kommen ihr, welche Widernatur, welche Paroxysmen des Unsinns, welche Bestialität der Idee bricht sofort heraus, wenn sie nur ein wenig verhindert wird, Bestie der Tat zu sein!..." ("Genealogie" 2.22).
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NIETZSCHE VERBRECHER


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"Mit Feindschaften war es mir niemals lange ernst. Im Augenblick zwar, zumal unter dem Eindrucke eines bedeckten Himmels könnte ich leicht Jemanden tödten, ich habe mich einige Male schon gewundert, daß ichs noch nicht gethan habe. Aber ich lache zu bald wieder, als daß ein Feind sehr viel bei mir gutzumachen hätte. Überdieß bin ich aus letztem Grund davon überzeugt, daß ich meinen feindselig erregten Gefühlen mehr zu danken habe als den freundschaftlichen" (F 1884 25[15]).
"Nach Absichten einen Menschen abschätzen! Das wäre als wenn man einen Künstler nicht nach seinem Bilde, sondern nach seiner Vision taxirte! Wer hat nicht seine Mutter getödtet, seine Frau verrathen, wenn es auf Gedanken ankommt! Man würde in einer artigen Einsamkeit leben, wenn Gedanken tödten könnten!" (F 1884 25 [119]). "ich hatte den Eindruck, daß er in diesem Zustand seine Mutter möglicherweise einmal erschlagen oder erwürgen könne. Vor zwei, drei Wochen schrieb sie mir aber, diese Überreizung hätte sich inzwischen verloren" [(Köselitz in 1893. Cf. Curt Paul Janz: Biographie: III. Naumburg, S. 60. Digitale Bibliothek 31, S. 2869" (vgl. Janz-Nietzsche Bd. 3, S. 15)].
"Diese Erkenntnis sehe ich in jener entsetzlichen Dreiheit der Ödipusschicksale ausgeprägt: derselbe, der das Rätsel der Natur, jener doppelgearteten Sphinx, löst, muß auch als Mörder des Vaters und Gatte der Mutter die heiligsten Naturordnungen zerbrechen. Ja der Mythus scheint uns zuraunen zu wollen, daß die Weisheit und gerade die dionysische Weisheit ein naturwidriger Greuel sei" ("Die Geburt" 9). "Meine erste Lösung: die dionysische Weisheit" (Nachlass 417; Cf. "der weise Ödipus").
"Hier, in der allein im Walde gelegenen "Eremitage", deren Eremit ich bin, ist seit gestern große Not: ich weiß eigentlich nicht, was geschehen ist, aber der Schatten eines Verbrechens liegt auf dem Haus. Man hat etwas vergraben, andre haben es entdeckt, man hörte schrecklich jammern, viele Gendarmen waren da, Haussuchung fand statt, und nachts hörte ich im Zimmer neben mir jemand schwer gequält seufzen, so daß mich der Schlaf floh. Auch schien in der tiefsten Nacht wieder im Walde gegraben zu werden, aber es fand eine Überraschung statt, und es gab wieder Tränen und Geschrei. Ein Beamter sagte mir, es sei eine "Banknotengeschichte"; ich bin nicht neugierig genug, um so viel zu wissen, wieviel wahrscheinlich alle Welt um mich weiß. Genug, die Waldeinsamkeit ist unheimlich" (an Köselitz 800718).
"Übrigens rede ich von mir selber mit aller möglichen psychologischen "Schläue" und Heiterkeit – ich möchte durchaus nicht als Prophet, Untier und Moral-Scheusal vor die Menschen hintreten. Auch in diesem Sinne könnte dies Buch ["Ecce"] gut tun: es verhütet vielleicht, daß ich mit meinem Gegensatz verwechselt werde" (a Köselitz 881030). "Es grüßt Sie auf das herzlichste: das Untier" (an C.Fuchs 881218).

"Ja! Ich habe sie getötet, / ich – meine angebetete Carmen!". Eine solche Auffassung der Liebe (die einzige, die des Philosophen würdig ist) ist selten: sie hebt ein Kunstwerk unter tausenden heraus" ("Der Fall Wagner. Der Fall Wagner 2). "Wie ein solches Werk vervollkommnet! Man wird selbst dabei zum "Meisterstück"" ("Der Fall Wagner. Der Fall Wagner 1).
"Nehmen Sie den Fall Prado nicht zu schwer. Ich bin Prado, ich bin auch der Vater Prado, ich wage zu sagen, daß ich auch Lesseps bin ... Ich wollte meinen Parisern, die ich liebe, einen neuen Begriff geben – den eines anständigen Verbrechers. Ich bin auch Chambige – auch ein anständiger Verbrecher" ([Photographien von Nietzsche und eine der Frauen ermordeten von Prado, Marie Aguétant] Briefe an Burckhardt 890105, Brief an Strindberg 881207. Cf. "anständige Verbrecher" (F 1876 21[4]).
"Der hereditäre Verbrecher ist décadent, selbst Idiot – kein Zweifel! Aber die Geschichte der Verbrecherfamilien, für die der Engländer Galton ("the hereditary genius") das größte Material gesammelt hat, führt immer auf einen zu starken Menschen für ein gewisses soziales Niveau zurück. Der letzte große Pariser Kriminalfall Prado gab den klassischen Typus: Prado war seinen Richtern, seinen Advokaten selbst durch Selbstbeherrschung, esprit und Übermuth überlegen; trotzdem hatte ihn der Druck der Anklage physiologisch schon so heruntergebracht, daß einige Zeugen ihn erst nach alten Porträts wiedererkannten" (Brief an A. Strindberg, 881207).
"Cependant, avec l"esprit si affranchi il me semble que Vous Vous êtes leurré du type criminal! Regardez ces centaines de photographies accompagnant "L"homme criminel" de Lombrose, et avouez que le fourbe est un animal inférieur, un dégénéré, un faible dépossédé des facultés nécessaires pour éluder les paragraphes de la loi, obstacles trop puissants à sa volonté au pouvoir" (Observer bien comme ils ont l"air stupidement moral tous ces bêtes honnêtes! Quel désaveau de la morale!)" (Brief von A.Strindberg an Nietzsche, Anfang 1889).
(Cf. "Nietzsche Misogyn")

"Ökonomie der Erde, Aussterbenlassen von schlechten Racen, Züchtung besserer, eine Sprache. Ganz neue Bedingungen für den Menschen, sogar für ein höheres Wesen?" (F 1876 19[79]).
"Jene ungeheure Energie der Größe zu gewinnen, um, durch Züchtung und andrerseits durch Vernichtung von Millionen Mißratener, den zukünftigen Menschen zu gestalten und nicht zugrunde zu gehn an dem Leid, das man schafft und dessengleichen noch nie da war!" (Nachlaβ" 964).
"Was ist der christliche Altruismus, wenn nicht der Massen-Egoismus der Schwachen, welcher errät, daß, wenn alle füreinander sorgen, jeder einzelne am längsten erhalten bleibt? ... Wenn man eine solche Gesinnung nicht als eine extreme Unmoralität, als ein Verbrechen am Leben empfindet, so gehört man zur kranken Bande und hat selber deren Instinkte... Die echte Menschenliebe verlangt das Opfer zum Besten der Gattung – sie ist hart, sie ist voll Selbstüberwindung, weil sie das Menschenopfer braucht. Und diese Pseudo-Humanität, die Christentum heißt, will gerade durchsetzen, daß niemand geopfert wird...("Nachlass"246; F 1888 15[110]; cf. "Opfer" {800v.}).
"Die kleinen Diebe, die kleinen Verleumder, die kleinen Hämischen und Ehrabschneider sollte man vernichten, nicht die Mörder; gegen Mücken und Flöhe soll man kein Mitleid haben" (F 1882 4[62]).
"Menschen, welche sich in hervorragender Weise vom Ererbt-Sittlichen loslösen, "gewissen"-los sind, können dies nur in der gleichen Weise werden, wie Missgeburten entstehen; das Wachsen und Sich-bilden geht ja nach der Geburt fort, in Folge der angeerbten Gewohnheiten und Kräfte. So könnte man in jenem Falle den Begriff der Missgeburt erweitern und etwa von Missgebilden reden. Gegen solche hat die übrige Menschheit dieselben Rechte wie gegen die Missgeburten und Monstra: sie darf sie vernichten, um nicht die Propagation des Zurückgebliebenen Missrathenen zu fördern. Z. B. der Mörder ist ein Missgebilde" (F 1876 23[59]).
"Die ächte Menschenliebe verlangt das Opfer zum Besten der Gattung, sie ist hart, sie ist voll Selbstüberwindung, weil sie das Menschenopfer braucht. Und diese Pseudo-Humanität, die Christenthum heißt, will gerade durchsetzen, daß Niemand geopfert wird…" (F 1888 15[110]).
"Jetzt ist es gerathen, die Reste des religiösen Lebens zu beseitigen, weil sie matt und unfruchtbar sind und die Hingebung an ein eigentliches Ziel abschwächen. Tod dem Schwachen!! " (F 1871, 9 [94]).
"Jene neue Partei des Lebens, welche die größte aller Aufgaben, die Höherzüchtung der Menschheit in die Hände nimmt, eingerechnet die schonungslose Vernichtung aller Entartenden und Parasitischen, wird jenes Zuviel von Leben auf Erden wieder möglich machen, aus dem auch der dionysische Zustand wieder erwachsen muß. Ich verspreche ein tragisches Zeitalter: die höchste Kunst im Jasagen zum Leben, die Tragödie, wird wiedergeboren werden, wenn die Menschheit das Bewußtsein der härtesten, aber notwendigsten Kriege hinter sich hat, ohne daran zu leiden..." ("Ecce homo" Die Geburt der Tragödie 4).
"Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Nämlich: Mord, Ausrottung, Versklavung, Deportation oder andere unmenschliche Handlungen, begangen an irgendeiner Zivilbevölkerung vor oder während des Krieges, Verfolgung aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen, begangen in Ausführung eines Verbrechens oder in Verbindung mit einem Verbrechen, für das der Gerichtshof zuständig ist, und zwar unabhängig davon, ob die Handlung gegen das Recht des Landes verstieß, in dem sie begangen wurde, oder nicht. Anführer, Organisatoren, Anstifter und Teilnehmer, die am Entwurf oder der Ausführung eines gemeinsamen Planes oder einer Verschwörung zur Begehung eines der vorgenannten Verbrechen teilgenommen haben, sind für alle Handlungen verantwortlich, die von irgendeiner Person in Ausführung eines solchen Planes begangen worden sind. [Der Nürnberger Prozeß: Einsetzung des Gerichtshofs. Der Nürnberger Prozess, S. 244 (vgl. NP Bd. 1, S. 12) http://www.digitale-bibliothek.de/band20.htm ]
(Cf. "Nietzsche rassist"; Breivik und Nietzsche).

"Heilige Grausamkeit. – Zu einem Heiligen trat ein Mann, der ein eben geborenes Kind in den Händen hielt. "Was soll ich mit dem Kinde machen?" fragte er, »es ist elend, mißgestaltet und hat nicht genug Leben, um zu sterben."Töte es", rief der Heilige mit schrecklicher Stimme, "töte es und halte es dann drei Tage und drei Nächte lang in deinen Armen, auf daß du dir ein Gedächtnis machest;  so wirst du nie wieder ein Kind zeugen, wenn es nicht an der Zeit für dich ist, zu zeugen." Als der Mann dies gehört hatte, ging er enttäuscht davon; und viele tadelten den Heiligen, weil er zu einer Grausamkeit geraten hatte, denn er hatte geraten, das Kind zu töten. "Aber ist es nicht grausamer, es leben zu lassen?" sagte der Heilige" ("Fröhliche" 73).
"Auch ein Gebot der Menschenliebe.  Es giebt Fälle, wo ein Kind ein Verbrechen sein würde: bei chronisch Kranken und Neurasthenikern dritten Grades. Was hat man da zu thun?  Solche zur Keuschheit ermuthigen, etwa mit Hülfe von Parsifal-Musik, mag immerhin versucht werden: Parsifal selbst, dieser typische Idiot, hatte nur zu viel Gründe, sich nicht fortzupflanzen. […] Castrationen" ("Nachlass" 734 = F 1888 23[1]).
"Eine neue Verantwortlichkeit schaffen, die des Arztes, für alle Fälle, wo das höchste Interesse des Lebens, des aufsteigenden Lebens, das rücksichtsloseste Nieder- und Beiseite- Drängen des entartenden Lebens verlangt – zum Beispiel für das Recht auf Zeugung, für das Recht, geboren zu werden, für das Recht, zu leben... Auf eine stolze Art sterben, wenn es nicht mehr möglich ist, auf eine stolze Art zu leben. Der Tod, aus freien Stücken gewählt, der Tod zur rechten Zeit, mit Helle und Freudigkeit, inmitten von Kindern und Zeugen vollzogen" (Götzen, Streifzübe eines Unzeitgemässen 36).
"In allen Fällen, wo ein Kind ein Verbrechen sein würde: bei chronisch Kranken und Neurasthenikern dritten Grades, wo andererseits dem Geschlechtstrieb überhaupt ein Veto entgegenzusetzen bloß auf fromme Wünsche hinauslaufen würde (dieser Trieb hat bei derartig Schlechtweggekommenen sogar oft eine widerliche Erregbarkeit) ist die Forderung zu stellen, daß die Zeugung verhindert wird. Die Gesellschaft kennt wenig dergestalt dringliche und grundsätzliche Forderungen. Hier genügt nicht nur die Verachtung, die Gesellschaftliche Ehrlosigkeits-Erklärung als Mittel, eine niederträchtige Schwächlichkeit des Charakters im Zaum zu halten: man dürfte, ohne Rücksicht auf Stand, Rang und Cultur, mit den härtesten Vermögensstrafen, unter Umständen mit dem Verlust der "Freiheit", mit Clausur gegen derartige Verbrechen vorgehn. Ein Kind in die Welt setzen, in der man selbst kein Recht zu sein hat, ist schlimmer als ein Leben nehmen. Der Syphilitiker, der ein Kind macht, giebt die Ursache zu einer ganzen Kette verfehlter Leben ab, er schafft einen Einwand gegen das Leben, er ist ein Pessimist der That: wirklich wird durch ihn der Werth des Lebens aufs Unbestimmte hin verringert" (F 1888 15[3]).
"Das Bibel-Verbot "du sollst nicht tödten!" ist eine Naivetät im Vergleich zum Ernst des Lebens-Verbots an die décadents: "ihr sollt nicht zeugen!" ... Das Leben selbst erkennt keine Solidarität, kein "gleiches Recht" zwischen gesunden und entartenden Theilen eines Organismus an: letztere muß man ausschneiden, oder das Ganze geht zu Grunde. Mitleiden mit den décadents, gleiche Rechte auch für die Mißrathenen, das wäre die tiefste Unmoralität, das wäre die Widernatur selbst als Moral!" (F 1888 23[1]).
"Die Entstehung vieler freier Individuen bei den Griechen […] Die Tödtung des embryo; Beseitigung der Früchte unglücklicher coitus. usw" (F 1881 11[97]).

"Todkrieg dem Hause Hohenzollern. Als der, der ich sein muß, kein Mensch, ein Schicksal will ich ein Ende machen mit diesen verbrecherischen Idioten, die mehr als ein Jahrhundert das große Wort, das größte Wort geführt haben […] Aber das hat seine Zeit gehabt: ich will das Reich in ein ehernes Hemd einschnüren und zu einem Verzweiflungskampf herausfordern. ich werde nicht eher die Hände frei bekommen, als bis ich den christlichen Husaren von Kaiser, diesen jungen Verbrecher sammt Zubehör in den Händen habe, mit Vernichtung der erbarmungswürdigsten Mißgeburt von Mensch, die bisher zur Macht gelangt ist" (F 1888 25[13]).
"Damit das Haus von Narren und Verbrechern sich obenauf fühlt, zahlt Europa jetzt jährlich 12 Milliarden, reißt es Klüfte zwischen den werdenden Nationen auf, hat es die hirnverbranntesten Kriege geführt, die je geführt wurden: Fürst Bismarck hat zu Gunsten seiner Hauspolitik alle Voraussetzungen für große Aufgaben, für welthistorische Zwecke, für eine edlere und feinere Geistigkeit mit einer fluchwürdigen Sicherheit des Instinktes vernichtet. Und seht euch doch die Deutschen selber an, die niedrigste, stupideste, gemeinste Rasse wohl, die jetzt auf Erden da ist, verhohenzollert bis zum Haß gegen Geist und Freiheit. Seht doch ihr "Genie", den F[ürsten] B[ismarck], den Idioten unter den Staatsmännern aller Zeiten, der nie eine Handbreit über die Dy[nastie] H[ohenzollern] hinausgedacht hat. Der Idiot am Kreuze war [- - -]… Und als die Rasse Genie hatte, hatte sie das Genie des Verbrechens… […] Aber das hat seine Zeit gehabt. Man möge mir diesen jungen Verbrecher ausliefern; ich werde nicht zögern, ihn zu verderben, ich will selbst die Brandfackel in seinem fluchwürdigen Verbrecher-Geist lodern machen" (F 1888 25[14]).
Nur indem ich den Verbrecher-Wahnsinn brandmarke, brandmarke ich immer die zwei fluchwürdigsten Institutionen, an denen bisher die Menschheit krank ist, die eigentlichen Todfeindschafts-Institutionen gegen das Leben: die dynastische Institution, die sich am Blut der Stärksten, Wohlgerathenen und Herrlichen mästet und die Priesterliche Institution, die mit einer schauerlichen Arglist eben dieselben Männer, die Stärksten, Wohlgeratenen Herrlichen von vornherein zu zerstören versucht. ich finde hier Kaiser und Priester sich einig: ich will hier Richter sein und alle Jahrtausende mit dem verbrecherischen Wahnsinn von Dynasten und Priestern ein Ende machen…" (F 1888 25[15]). Man liefere mir den jungen Verbrecher [Hohenzöllern] in die Hand: ich werde nicht zögern, ihn zu verderben und seinen Verbrecher-Geist in Brand zu stecken…" (F 1888 25[20]).

"Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet – wer wischt dies Blut von uns ab? " ("Die fröhliche Wissenschaft" 125; 108, 109; "Also IV" Vorrede).
"Gott ist todt—wer hat ihn denn getödtet? Auch dies Gefühl den Heiligsten Mächtigsten getödtet zu haben, muß noch über einzelne Menschen kommen—jetzt ist es noch zu früh! zu schwach! Mord der Morde! Wir erwachen als Mörder! Wie tröstet sich ein solcher? Wie reinigt er sich? Muß er nicht der allmächtigste und heiligste Dichter selber werden? (F 1881 12 [77]; 14 [26]).
"Höhepunkt: der heilige Mord. Er erfindet die Lehre vom Übermenschen. […] (So lebe Gott) Gott ist todt: und es ist an der Zeit, daß der Übermensch lebt" (F 4 [132]).
(Cf. "Mord Gottes" und "Gottes Tod").

"Von andern Beispielen will ich schweigen – aber ein Pistolenlauf ist mir jetzt eine Quelle relativ angenehmer Gedanken" (an Overbeck 830211).
"Der Gedanke an den Selbstmord ist ein starkes Trostmittel: mit ihm kommt man gut über manche böse Nacht hinweg" (Jenseits 157).
"Auf eine stolze Art sterben, wenn es nicht mehr möglich ist, auf eine stolze Art zu leben. Der Tod, aus freien Stücken gewählt" ("Götzen. Streifzüge 36).

Meine Lieben, Lou und Rée! Beunruhigt Euch nicht zu sehr über die Ausbrüche meines »Größenwahns« oder meiner »verletzten Eitelkeit« – und wenn ich selbst aus irgendeinem Affekte mir zufällig einmal das Leben nehmen sollte, so würde auch da nicht allzuviel zu betrauern sein. Was gehen Euch meine Phantasterein an! (Selbst meine »Wahrheiten« gingen Euch bisher nichts an.) Erwägen Sie beide doch sehr miteinander, daß ich zuletzt ein kopfleidender Halb- Irrenhäusler bin, den die lange Einsamkeit vollends verwirrt hat (Brief an Lou & Rée Mitte December 1882).

"Ich habe Mühe, mich gegen die traurigsten Gedanken zu verteidigen" (an Overbeck 880704).
"eine kalte rauchige lastende Luft lud eher zum Selbstmord, als zum Tanze ein" (an Overbeck 890109).
"Der großherzige Kiriloff ist durch einen Gedanken besiegt worden: er hat sich erschossen. Ich sehe die Größe seiner Seele darin, daß er den Kopf verloren hat. Niemals würde ich so handeln können. Niemals würde ich an eine Idee so leidenschaftlich glauben können ... Mehr noch, es ist mir unmöglich, mich mit Ideen auf einen solchen Punkt zu beschäftigen ... Niemals, niemals würde ich mich erschießen können ... Ich weiß, daß ich mich tödten sollte, daß ich die Erde von mir reinigen sollte, wie von einem miserablen Insekt" (F 1887 11[331]; Nietzsche nimmt wörtlich diese Sätze von Nicolas Stavroguine an Daria Pavlovna, in "Les possédés" de Dostojevski, übersetzt par V. Derély).
"des Empedokles Selbstvergötterung und seinen Tod im Ätna" ("Janz-Nietzsche" 1, 390; "Empedokles" Fragment).
(Cf. Verachtung des Lebens, Ekel, Nichts, Erschöpfung, das Meer, Besessen, Empedokles, Corinna, Brenner, Nietzsche am 29. März 1882 in Sizilien, "an den Rand der Welt". Overbeck an Rohde 820420 über Nietzsche: "Wenn er nur nicht wieder ... einen coup de tête gemacht hat"; cf. Korrespondenz mit Meta und Malwida in 1888).

  • Selbstmord für Andere

"Der Selbstmord als übliche Todesart: neuer Stolz des Menschen, der sich sein Ende setzt und eine neue Festfeier erfindet, das Ableben (F 1876 11[82]).
"’Das Leben ist nur Leiden’ so sagen andre und lügen nicht: so sorgt doch, daß ihr aufhört! So sorgt doch, daß das Leben aufhört, welches nur Leiden ist! Und also laute die Lehre eurer Tugend: ‘Du sollst dich selber töten! Du sollst dich selber davonstehlen!’" (Also. Von den Predigern des Todes).
"Das Leben ist nur Leiden" so sagen andre und lügen nicht: so sorgt doch, daß ihr aufhört! So sorgt doch, daß das Leben aufhört, welches nur Leiden ist! Und also laute die Lehre eurer Tugend: »Du sollst dich selber töten! Du sollst dich selber davonstehlen!" ("Also". Von den Predigern des Todes; F 1882 5[1]234).
"man soll dem unheilbaren Verbrecher, der sich selber zum Greuel geworden ist, die Gelegenheit zum Selbstmord anbieten. Dies als äußerstes Mittel der Erleichterung vorbehalten, soll man nichts verabsäumen, um vor allem dem Verbrecher den guten Mut und die Freiheit des Gemütes wiederzugeben" ("Morgenröthe" 202).
"Das Christenthum als große Pöbel-Bewegung des römischen Reichs ist die Erhebung der Schlechten, Ungebildeten, Gedrückten, Kranken, Irrsinnigen, Armen, der Sklaven, der alten Weiber, der feigen Männer, im Ganzen aller derer, welche Grund zum Selbstmord gehabt hätten, aber den Muth dazu nicht hatten; sie suchten mit Inbrunst ein Mittel, ihr Leben auszuhalten und aushaltenswerth zu finden, fanden es, und boten der Welt ihre neue Art von Glück an" (F 1880 3[20]34; {Nietzsche vor dem Spiegel!}).
"Genuß und Nicht-Genuß von Giften. – Das einzige entscheidende Argument, welches zu allen Zeiten die Menschen abgehalten hat, ein Gift zu trinken, ist nicht, daß es tötete, sondern daß es schlecht schmeckte" (Menschliches, DB31 S. 4857).

"alles am Menschen ein Verbrechen, was uns gefällt oder mißfällt" (F 1882 4[142]).
"Wenn unsereiner kein Verbrechen, z. B. keinen Mord auf dem Gewissen hat – woran liegt es? Daß uns ein paar begünstigende Umstände dafür gefehlt haben. Und täten wir es, was wäre damit an unserm Werte bezeichnet? An sich würde man uns verachten, wenn man uns nicht die Kraft zutraute, unter Umständen einen Menschen zu töten" ("Nachlass"740).
"Wäre unser Werth verringert, wenn wir ein paar Verbrechen begiengen? Im Gegentheil: es ist nicht Jeder im Stande, ein paar Verbrechen zu begehen. An sich würde man uns verachten, wenn man uns nicht die Kraft zutraute, unter Umständen einen Menschen zu tödten. Fast in allen Verbrechen drücken sich zugleich Eigenschaften aus, welche an einem Manne {¡!} nicht fehlen sollen" (F 1887 10[50](179); cf. Nachlass 718);
"Im einzelnen Fall werden wir zugestehen, daß eine Tat uns leicht hätte erspart bleiben können, – nur die Umstände haben uns zu ihr begünstigt. Wer von uns hätte nicht, von den Umständen begünstigt, schon die ganze Skala der Verbrechen durchgemacht?... Man soll deshalb nie sagen: "Das und das hättest du nicht tun sollen", sondern immer nur: "Wie seltsam, daß ich das nicht schon hundertmal getan habe!" ("Nachlass"235; F 1887 10[100]; F 1887 10[108]).

"Seinem Gefühle folgen?" – Daß man, einem generösen Gefühle nachgebend, sein Leben in Gefahr bringt, und unter dem Impuls eines Augenblicks: das ist wenig wert und charakterisiert nicht einmal. In der Fähigkeit dazu sind sich alle gleich – und in der Entschlossenheit dazu übertrifft der Verbrecher, Bandit und Korse einen honetten Menschen gewiß" ("Nachlass"928).
"Unser Verbrechen gegen Verbrecher besteht darin, dass wir sie wie Schufte behandeln. ich wünschte einmal, die Definition des Schuftes zu hören. Das eigentlich Schuftige scheint für das Auge der Justiz unerkennbar zu sein und desshalb erreicht auch ihr Arm es nicht (F 1876 18[81]156).
"Würde des Verbrechers. Wenn der König das Recht hat, Gnade zu üben, so hat der Verbrecher das Recht, sie zurückzuweisen" (F 1879 42[34]).
"Jede Gesellschaft hat die Tendenz, ihre Gegner bis zur Carikatur herunterzubringen und gleichsam auszuhungern, zum Mindesten in ihrer Vorstellung. Eine solche Carikatur ist z.B. unser "Verbrecher"" (F 1887 10[112](229); "Nachlass" 374).
"Es ist eine Entnatürlichung der Moral, daß man die Handlung abtrennt vom Menschen; daß man den Haß oder die Verachtung gegen die "Sünde" wendet; daß man glaubt, es gebe Handlungen, welche an sich gut oder schlecht sind. Wiederherstellung der "Natur": eine Handlung an sich ist vollkommen leer an Wert: es kommt alles darauf an, wer sie tut. Ein und dasselbe "Verbrechen" kann im einen Fall das höchste Vorrecht, im andern das Brandmal sein. Tatsächlich ist es die Selbstsucht der Urteilenden, welche eine Handlung, resp. ihren Täter auslegt im Verhältnis zum eigenen Nutzen oder Schaden (– oder im Verhältnis zur Ähnlichkeit oder Nichtverwandtschaft mit sich )" ("Nachlass"292).
"Man leidet an der Schande, nicht am Verbrechen. Wenige sind so fein, hier zu unterscheiden" (F 1880 6[390]).
"Der Selbstbetrug Pascals: er geht schon von christlichen Prädispositionen aus. Die "bösen Lüste"! Die Bedeutung des Todes! Denken wir doch so an den Tod, wie an den Tod bei Thieren, so ist die Sache nicht so furchtbar. Zum Tode verurtheilt; das ist nichts so Schlimmes an sich: nur beim Verbrecher macht es uns so schreckliche Empfindungen, wegen der Schande" (F 1880 7[184]).
"Die Moral der Klugheit bei unterdrückten Naturen ausgebildet: bis dahin, daß das Verbrechen, welches verborgen bleibt und wohlthätige Folgen für den Thäter hat, tugendhaft sei" (F 1883 7[38]).
"Nicht das Verbrechen des Verbrechers, sondern seine Feigheit und Albernheit nach dem Verbrechen läßt uns überhaupt verächtlich von Verbrechern denken" (F 1882 3[1]320).
"Der Gute" entsteht nur am Gefühl eines Gegensatzes: das ist der zugleich ihm Schädliche und doch Verächtliche. Das Bemühen der Gesetzgeber ist, vielen Handlungen diesen Charakter zu verleihen, daß sie verächtlich erscheinen, mit Schmach verbunden sind: daß in Einem Gefühl eine Handlung und die an sie geknüpfte Schmach erscheint.  Bei uns ist im Ganzen das gesamte Verbrecherthum so empfunden. Anders ist es, wo der Verbrecher bewundert wird oder durch großen Heroismus und Verachtung von Gefahr einen Überschuß zu seinen Gunsten gewinnt. Der Ketzer z.B. und alle Sektirer erwerben sich oft Achtung, gegen die Verachtung, welche ihnen zuerst entgegenkommt. Man sieht: man hat mit einer Macht zu thun" (F 1883 7[113]).
"Die Advokaten eines Verbrechers sind selten Artisten genug, um das schöne Schreckliche der Tat zugunsten ihres Täters zu wenden" ("Jenseits" 110).

"Natürlicher ist unsre Schätzung großer Menschen und Dinge: wir rechnen die Leidenschaft als ein Vorrecht, wir finden nichts groß, wo nicht ein großes Verbrechen einbegriffen ist; wir konzipieren alles Groß-sein als ein Sich-außerhalb-stellen in bezug auf Moral" ("Nachlass"120).
"Es kommt in der Welt-Geschichte nur auf die großen Verbrecher an, eingerechnet jene Vielen, welche eines großen Verbrechens fähig waren, aber durch Zufall es nicht thaten" (F 1882 3[1]113).
"Unter klugen, starken und lebensvollen Rassen erregt am meisten der Epileptische die Überzeugung, daß hier eine fremde Macht im Spiele ist; aber auch jede verwandte Unfreiheit, z. B. die des Begeisterten, des Dichters, des großen Verbrechers, der Passionen wie Liebe und Rache dient zur Erfindung von außermenschlichen Mächten" ("Nachlass"135).
"Wir lernen in unsrer zivilisierten Welt fast nur den verkümmerten Verbrecher kennen, erdrückt unter dem Fluch und der Verachtung der Gesellschaft, sich selbst mißtrauend, oftmals seine Tat verkleinernd und verleumdend, einen mißglückten Typus von Verbrecher, und wir widerstreben der Vorstellung, daß alle großen Menschen Verbrecher waren (nur im großen Stile und nicht im erbärmlichen), daß das Verbrechen zur Größe gehört (so nämlich geredet aus dem Bewußtsein der Nierenprüfer und aller derer, die am tiefsten in große Seelen hinuntergestiegen sind). Die "Vogelfreiheit" von dem Herkommen, dem Gewissen, der Pflicht – jeder große Mensch kennt diese seine Gefahr. Aber er will sie auch: er will das große Ziel und darum auch dessen Mittel" ("Nachlass" 736).
"Die großen "Abenteurer und Verbrecher" und alle Menschen, die gesündesten [Borgia]voran, sind gewisse Zeiten ihres Lebens krank – die großen Gemütsbewegungen, die Leidenschaft der Macht, die Liebe, die Rache sind von tiefen Störungen begleitet" ("Nachlass" 864).
"Die Vollkommenheit eines Napoleon, eines Cagliostro entzückt; unser Verbrecherthum hat nicht Musterbilder vor sich, sie haben kein fröhliches Gewissen. Ein guter Räuber, ein guter Rächer, Ehebrecher, das zeichnete das italienische Mittelalter und [die] Renaissance aus, sie hatten den Sinn für Vollständigkeit. Bei uns fürchten sich die Tugenden und die Laster, die öffentliche Meinung ist die Macht der Halben und Mittelmäßigen, der schlechten Copien, der zusammengestohlenen AllerweltsMenschen" (F 1880 6[267]).
"Napoleon einer anderen Art Wesen zugehörig, bei denen die Kraft der Berechnung, die Macht der Combinationen, die Fähigkeit der Arbeit unsäglich entwickelter ist als bei uns, während man vergeblich gewisse moralischen Qualitäten suchen würde, die bei uns gewöhnlich sind:  "fremd den Ideen der Gerechtigkeit, wenig gemacht die Geschichte und seine Zeit selber zu begreifen, ganz vom persönlichen Interesse beherrscht und dick blind über dies Interesse: Mangel an Unterscheidung von Gut und Böse, cette soif impérieuse de succès, absolute Gleichgültigkeit gegen die Mittel, alles das, was Verbrecher macht : in moralischer Beziehung nicht besser und schlechter als unsers Gleichen" (F 1884 25[10]).
"Jeder großgesinnte Mensch hat alle Verbrechen gethan; ob juristisch, das hängt mit der Milde und Schwäche der Zeit zusammen. Aber man denke an Luther usw. Und Christus, der die, welche ihn nicht liebten, in der Hölle braten ließ! […] Man versteht große Menschen nicht: sie verzeihen sich jedes Verbrechen, aber keine Schwäche. Wie Viele bringen sie um! Jedes Genie, was für eine Wüstenei ist um ihn! Wer der Mensch ‘seines ‘Verbrechens’ wird, steht eben nicht erhaben genug über dem Urtheil" (F 1884 25[259]).
"Das Weib begeht zehnmal weniger Verbrechen als der Mann, folglich ist es moralisch zehnmal besser: sagt die Statistik (F 1882 3[1]325).
"Der Verbrecher und was ihm verwandt ist. – Der Verbrecher-Typus, das ist der Typus des starken Menschen unter ungünstigen Bedingungen, ein krankgemachter starker Mensch. Ihm fehlt die Wildnis, eine gewisse freiere und gefährlichere Natur und Daseinsform, in der alles, was Waffe und Wehr im Instinkt des starken Menschen ist, zu Recht besteht. […] Die Gesellschaft ist es, unsre zahme, mittelmäßige, verschnittene Gesellschaft, in der ein naturwüchsiger Mensch, der vom Gebirge her oder aus den Abenteuern des Meeres kommt, notwendig zum Verbrecher entartet. Oder beinahe notwendig: denn es gibt Fälle, wo ein solcher Mensch sich stärker erweist als die Gesellschaft: der Korse Napoleon ist der berühmteste Fall. Für das Problem, das hier vorliegt, ist das Zeugnis Dostojewskis von Belang – Dostojewskis, des einzigen Psychologen, anbei gesagt, von dem ich etwas zu lernen hatte: er gehört zu den schönsten Glücksfällen meines Lebens, mehr selbst noch als die Entdeckung Stendhals. Dieser tiefe Mensch, der zehnmal recht hatte, die oberflächlichen Deutschen gering zu schätzen, hat die sibirischen Zuchthäusler, in deren Mitte er lange lebte, lauter schwere Verbrecher, für die es keinen Rückweg zur Gesellschaft mehr gab, sehr anders empfunden, als er selbst erwartete – ungefähr als aus dem besten, härtesten und wertvollsten Holze geschnitzt, das auf russischer Erde überhaupt wächst. Verallgemeinern wir den Fall des Verbrechers: denken wir uns Naturen, denen, aus irgendeinem Grunde, die öffentliche Zustimmung fehlt, die wissen, daß sie nicht als wohltätig, als nützlich empfunden werden, jenes Tschandala-Gefühl, daß man nicht als gleich gilt, sondern als ausgestoßen, unwürdig, verunreinigend. Alle solche Naturen haben die Farbe des Unterirdischen auf Gedanken und Handlungen; an ihnen wird jegliches bleicher als an solchen, auf deren Dasein das Tageslicht ruht. Aber fast alle Existenzformen, die wir heute auszeichnen, haben ehemals unter dieser halben Grabesluft gelebt: der wissenschaftliche Charakter, der Artist, das Genie, der freie Geist, der Schauspieler, der Kaufmann, der große Entdecker... So lange der Priester als oberster Typus galt, war jede wertvolle Art Mensch entwertet.." ("Götzendämmerung" 45).
"Die besten Regenten ohne Principien, als Beglückung Vieler, und meine besten Freunde unter ihnen. Es gelüstete ihn nicht nach Verbrechen, sein Geschmack war zu heil und hell zu solchen Gelüsten. Aber er schonte sich auch nicht und verbrach Verbrechen, nun nämlich gieng er die kürzesten Wege. Und wenn die gerade Linie gar kein Weg ist, so muß der kürzeste Weg schon die ungerade sein" (F 1883 17[16]).
"der gute Europäer ‘ich habe alle Verbrechen begangen. ich liebe die gefährlichsten Gedanken und die gefährlichsten Weiber"" (F 1885 29[51] = 32[8]34).
"Wenn ein inferiorer Mensch seine alberne Existenz, sein viehisch-dummes Glück als Ziel faßt, so indignirt er den Betrachter; und wenn er gar andere Menschen zum Zweck seines Wohlbefindens unterdrückt und aussaugt, so sollte man so eine giftige Fliege todtschlagen. Der Werth eines Menschen soll beweisen, was für Rechte er sich nehmen darf: die "Gleichstellung" geschieht aus Mißachtung der höheren Naturen und ist ein Verbrechen an ihnen" (F 1884 25[343]).
"Natürlicher ist unsere Schätzung großer Menschen und Dinge: wir rechnen die Leidenschaft als ein Vorrecht, wir finden nichts groß, wo nicht ein großes Verbrechen einbegriffen ist; wir concipiren alles Groß-sein als ein Sich-außerhalb-stellen in Bezug auf Moral" (F 1887 10[53]).
"Wir lernen in unserer civilisirten Welt fast nur den verkümmerten Verbrecher kennen, erdrückt unter dem Fluch und der Verachtung der Gesellschaft, sich selbst mißtrauend, oftmals seine That verkleinernd und verleumdend, einen mißglückten Typus von Verbrecher; und wir widerstreben der Vorstellung, daß alle großen Menschen Verbrecher waren, nur im großen Stile, und nicht im erbärmlichen; daß das Verbrechen zur Größe gehört (so nämlich geredet aus dem Bewußtsein der Nierenprüfer und aller derer, die am tiefsten in große Seelen hinuntergestiegen sind) Die "Vogelfreiheit" von dem Herkommen, dem Gewissen, der Pflicht, jeder große Mensch kennt diese seine Gefahr. Aber er will sie auch: er will das große Ziel und darum auch dessen Mittel" (F 1887 9[120](79)).
"Nicht mit Unrecht hat Dostoiewsky von den Insassen jener sibirischen Zuchthäuser gesagt, sie bildeten den stärksten und werthvollsten Bestandtheil des russischen Volkes. Wenn bei uns der Verbrecher eine schlecht ernährte und verkümmerte Pflanze ist, so gereicht dies unseren Gesellschaftlichen Verhältnissen zur Unehre; in der Zeit der Renaissance gedieh der Verbrecher und erwarb sich seine eigne Art von Tugend, Tugend im Renaissancestile freilich, virtù, moralinfreie Tugend. Man vermag nur solche Menschen in die Höhe [zu] bringen, die man nicht mit Verachtung behandelt; die moralische Verachtung ist eine größere Entwürdigung und Schädigung als irgend ein Verbrechen" (F 1887 10[50](179); = "Ecce homo" = "Antichrist";Cf."virtù": Nachlass 317; 740; 327; 1017; 75).
"Daß die Schädlichkeit eines Menschen bereits ein Einwand gegen ihn sein soll!… Als ob unter den großen Förderern des Lebens nicht auch der große Verbrecher Platz hätte!… " (F 1887-88 11[283]).
"Aber die Kraft zur mächtigsten Realität der Vision ist nicht nur verträglich mit der mächtigsten Kraft zur Tat, zum Ungeheuren der Tat, zum Verbrechen – sie setzt sie selbst voraus.." ("Ecce homo. Warum ich so klug bin 4).
"Wer [aus] fatum und Fähigkeit Verbrecher ist, verlernt nichts, sondern lernt immer hinzu: und eine lange Entbehrung wirkt sogar als tonicum auf sein Talent…" (F 1888 14[141]).
"Unter klugen, starken und lebensvollen Rassen erregte am meisten der Epileptische die Überzeugung, daß hier eine fremde Macht im Spiel ist; aber auch jede verwandte Unfreiheit, z.B. die des Begeisterten, des Dichters, des großen Verbrechers, der Passionen wie Liebe und Rache dient zur Erfindung von außerMenschlichen Mächten. Man concrescirt einen Zustand in eine Person: und behauptet, dieser Zustand, wenn er an uns auftritt, sei die wirkung jener Person. Mit anderen Worten: in der psychologischen Gottbildung wird ein Zustand, um wirkung zu sein, als Ursache personifizirt" (F 1888 14[124]).
(Cf. 1888 12[1] IV (79). Cf. "groβ", "stark", "mächtig", "hoch" + "Instinkt", "Trieb", "Natur")

"Fast in allen Verbrechen drücken sich zugleich Eigenschaften aus, welche an einem Manne nicht fehlen sollen" ("Nachlass"740).
"Aber man soll nicht Verachtung durch die Strafe ausdrücken: ein Verbrecher ist jedenfalls ein Mensch, der sein Leben, seine Ehre, seine Freiheit riskiert – ein Mann des Muts. Man soll insgleichen nicht die Strafe als Buße nehmen; oder als eine Abzahlung, wie als ob es ein Tauschverhältnis gebe zwischen Schuld und Strafe" (F 1887 10[50]179); (F 1887 10[157](263)).
"Man ehrt die welche im Denken den Bann der Sitte durchbrachen. Aber die welche es durch die That thaten, verunglimpft man und schiebt ihnen schlimme Motive unter. Dies ist unbillig, mindestens sollte man den Freidenkern dieselben schlimmen Motive unterschieben.  Daß in Verbrechen sehr viel Muth und Originalität des Geistes, Unabhängigkeit bewiesen werden könne, wird verhehlt" (F 1880 4[108]).
"Wo Heroismus ist, da giebt es kein Verbrechen mehr. Denn der Glaube, daß etwas gut ist, ist beim Heroismus" (F 1880-81 8[48]).
"Die bisherige Praxis, die rein psychologische und religiöse, war nur auf eine Veränderung der Symptome aus: sie hielt einen Menschen für wiederhergestellt, wenn er vor dem Kreuze sich erniedrigte und Schwüre tat, ein guter Mensch zu sein... Aber ein Verbrecher, der mit einem gewissen düstern Ernst sein Schicksal festhält und nicht seine Tat hinterdrein verleumdet, hat mehr Gesundheit der Seele... Die Verbrecher, mit denen Dostojewskij zusammen im Zuchthause lebte, waren samt und sonders ungebrochene Naturen, – sind sie nicht hundertmal mehr wert als ein ‚gebrochener‘ Christ?" ("Nachlass" 233).
"Der letzte große Pariser Kriminalfall Prado gab den klassischen Typus: Prado war seinen Richtern, seinen Advokaten selbst durch Selbstbeherrschung, esprit und Übermuth überlegen" (Brief an A. Strindberg, 81208 Turin, den 8. Dezember).
"Wer aus Fatum und Fähigkeit Verbrecher ist, verlernt nichts, sondern lernt immer hinzu: und eine lange Entbehrung wirkt sogar als Tonikum auf sein Talent.." ("Nachlass"394).
"Der Glaube an den Rausch […] Diesen schwärmerischen Trunkenbolden verdankt die Menschheit viel Übles […] während der Verbrecher sehr oft noch einen Beweis von ausgezeichneter Selbstbeherrschung, Aufopferung und Klugheit gibt und diese Eigenschaften bei denen, welche ihn fürchten, wach erhält. Durch ihn wird der Himmel über dem Leben vielleicht gefährlich und düster, aber die Luft bleibt kräftig und streng" ("Morgenröte" 50).
"Gegen alle wilden Energien wehren wir uns so lange, als wir sie nicht zu benutzen wissen (als Kraft) und so lange nennen wir sie böse. Nachher aber nicht mehr! Frage: wie macht man Verbrechen nützlich? Wie macht man seine eigene Wildheit nützlich?" (F 1881 11[169]).
"Ich betrachte Verbrecher, gestrafte und nicht gestrafte, als Menschen, an denen man Versuche machen kann. Schutz, nicht Besserung, nicht Strafe!" (F 1884 26[26]).
"Der "Unwerth" eines Menschen ist nur ein Unwerth in Hinsicht auf bestimmte Zwecke (der Familie Gemeinde usw.): man soll ihm einen Werth geben und ihn empfinden machen, daß er nützlich ist z.B. der Kranke als Mittel der Erkenntniß; der Verbrecher als Vogelscheuche usw. Die Lasterhaften als Gelegenheiten, an ihnen usw" (F 1884 26[116]).
"Krieg gegen die weichliche Auffassung der "Vornehmheit"! – ein Quantum Brutalität mehr ist nicht zu erlassen: so wenig als eine Nachbarschaft zum Verbrechen. Auch die "Selbstzufriedenheit" ist nicht darin; man muß abenteuerlich auch zu sich stehen, versucherisch, verderberisch – nichts von Schönseelen-Salbaderei –. Ich will einem robusteren Ideale Luft machen" ("Nachlass"951; F 1887 10[104](231).
"Bei einem Verbrechen: die furchtbare Erniedrigung im Gefühle der Macht, aus einer unbescholtenen eine bescholtene Familie zu werden. Der Gedanke an Feinde quält nie mehr. Nicht Gewissensbisse! (F 1880 4[240]). "das Gefühl der Ohnmacht, der Mangel der großen bejahenden Gefühle der Macht (in Muskeln, Nerven, Bewegungszentren)" ("Nachlass" 373).; F 1880 4[204]).

"Ich sehe in dem, was eine Zeit als böse empfindet, das was ihrem Ideale widerspricht, also einen Atavismus des ehemaligen Guten: z.B. eine gröbere Art von Grausamkeit Mordlust als heute vertragen wird. Irgendwann war die Handlung jedes Verbrechers eine Tugend. Aber jetzt empfindet er selber sie mit dem Gewissen der Zeit, er legt sie böse aus. Alles oder das Meiste, was Menschen thun und denken, als böse auslegen, geschieht dann, wenn das Ideal dem Menschlichen Wesen überhaupt nicht entspricht (Christenthum): so wird alles Erbsünde, während es eigentlich Erbtugend ist" (F 1881 11[101]).
"in der Zeit der Renaissance gedieh der Verbrecher und erwarb sich seine eigne Art von Tugend – Tugend im Renaissancestile freilich, virtù, moralinfreie Tugend. Man vermag nur solche Menschen in die Höhe zu bringen, die man nicht mit Verachtung behandelt; die moralische Verachtung ist eine größere Entwürdigung und Schädigung als irgendein Verbrechen" ("Nachlass"740). "Ich erkenne die Tugend daran, […] 6. daß sie gerade alles das tut, was sonst verboten ist: Tugend, wie ich sie verstehe, ist das eigentliche vetitum innerhalb aller Herden-Legislatur, 7. kurz, daß sie Tugend im Renaissance-Stil ist, virtù, moralinfreie Tugend..." ("Nachlass" 317).
"diese Käfiche und engen Herzen, wie wollten sie freien Geistes sein! Und wer nicht alle Verbrechen gethan hat, wie […] "Wie? Du nennst dich einen freien Geist? Hast du schon alle Verbrechen gethan? dein verehrendes Herz zerbrochen? 34  "nichts ist wahr! alles ist erlaubt!" ich habe alle Verbrechen begangen: die gefährlichsten Gedanken, die gefährlichsten Weiber […] 15, 36 (Scham überwinden  - 22, 20 Verbrechen des Gedankens 34 "alles ist erlaubt" (F 1884-85 32[8]12). "im Glauben gerade an die Wahrheit sind sie ["diesen sogenanten freien Geistern" ], wie niemand anderes sonst, fest und unbedingt" ("Genealogie" 3.24; Cf. Littré "assassin" from "haschisch").
"Dem bösen Menschen das gute Gewissen zurückgeben; ist das mein unwillkürliches Bemühen gewesen? Und zwar dem bösen Menschen, insofern er der starke Mensch ist?" (F 1886-87 7 (9); "Nachlass" 788).
"Die Möglichkeit eines Wegfalls dieser moralischen Urtheile zu erwägen. Ob Einzelne ihrer entrathen.  Als Zeichen des Verfalls bei Verbrechern" (F 1884 26[163]2)

"Wandel der Moral. – Es gibt ein fortwährendes Umwandeln und Arbeiten an der Moral, – das bewirken die Verbrechen mit glücklichem Ausgange (wozu zum Beispiel alle Neuerungen des moralischen Denkens gehören)" ("Morgenröte" 98). "die Geschichte handelt fast nur von diesen schlechten Menschen, welche später gutgesprochen worden sind!"  ("Morgenröte" 20).
"Aus einer möglichen Zukunft. – Ist ein Zustand undenkbar, wo der Übeltäter sich selber zur Anzeige bringt, sich selber seine Strafe öffentlich diktiert, im stolzen Gefühle, daß er so das Gesetz ehrt, das er selber gemacht hat, daß er seine Macht ausübt, indem er sich straft, die Macht des Gesetzgebers; er kann sich einmal vergehen, aber er erhebt sich durch die freiwillige Strafe über sein Vergehen, er wischt das Vergehen durch Freimütigkeit, Größe und Ruhe nicht nur aus: er tut eine öffentliche Wohltat hinzu. – Dies wäre der Verbrecher einer möglichen Zukunft, welcher freilich auch eine Gesetzgebung der Zukunft voraussetzt, des Grundgedankens: ‘ich beuge mich nur dem Gesetze, welches ich selber gegeben habe, im kleinen und großen’. Es müssen so viele Versuche noch gemacht werden! Es muß so manche Zukunft noch ans Licht kommen!"  ("Morgenröte" 187).
"Vielleicht verfrüht. – Gegenwärtig scheint es so, daß unter allerhand falschen, irreführenden Namen und zumeist in großer Unklarheit, von seiten derer, welche sich nicht an die bestehenden Sitten und Gesetze gebunden halten, die ersten Versuche gemacht werden, sich zu organisieren und damit sich ein Recht zu schaffen: während sie bisher, als Verbrecher, Freidenker, Unsittliche, Bösewichte verschrien, unter dem Banne der Vogelfreiheit und des schlechten Gewissens, verderbt und verderbend lebten. Dies sollte man im ganzen und großen billig und gut finden, wenn es auch das kommende Jahrhundert zu einem gefährlichen macht und jedem das Gewehr um die Schulter hängt: schon damit eine Gegenmacht da ist, die immer daran erinnert, daß es keine allein-moralisch-machende Moral gibt und daß jede ausschließlich sich selber bejahende Sittlichkeit zu viel gute Kraft tötet und der Menschheit zu teuer zu stehen kommt" ("Morgenröte" 164)
"Der ‘Tyrann’ ist vielfach ein freier tapferer Geist, sein Wesen nicht schlechter als das der Furchtsamen, oft besser, weil ehrlicher. Man beantwortet jetzt allgemein die Frage ob die russischen Nihilisten unmoralischer seien als die russischen Beamten zu Gunsten der Nihilisten.  Es sind zahllose Sitten den Angriffen der Freidenker und Freithäter zum Opfer gefallen: unsere jetzige individuelle Denkweise ist das Resultat von lauter Verbrechen gegen die Sittlichkeit. Jeder der das Bestehende angriff, galt als "schlechter Mensch"; die Geschichte handelt nur von diesen schlechten Menschen!"  (F 1880 4[108]).

"Plato und Rousseau über Cultur in Einem Gegensatz: Plato meint, unter NaturMenschen (Wilden) würden wir auch noch den athenischen Verbrecher umarmen (als Culturwesen). Er hat Recht gegen Rousseau"  (F 1879 42[4]).
"Das Problem in der Zeit der griechischen Tragödie war: wie konnten diese gräßlichen Dinge eigentlich geschehen, während die Thäter Heroen und keine Verbrecher waren? Dies war die große Übung in der Psychologie Athens" (F 1880 4[22]).
"Mutter - Natur - Vergangenheit - morden - Orestes - die Ehrfurcht vor dem grossen Verbrecher. Er ist geheiligt" (F 1878 28[28]).
"Die Griechen ohne Sünd[en]gefühl. Orest der Verbrecher ehrwürdig. Wahnsinn, kein Erlösungsbedürfniß" (F 1878 27[76]).
"Wie ein Zeitalter zur Kunst geködert wird. – Man lerne mit Hilfe aller Künstler- und Denker-Zaubereien die Menschen an, vor ihren Mängeln, ihrer geistigen Armut, ihren unsinnigen Verblendungen und Leidenschaften Verehrung zu empfinden – und dies ist möglich –, man zeige vom Verbrechen und vom Wahne nur die erhabene Seite" ("Menschliches" 2.1. 148).
"Von der Moralität der Schaubühne […] Empfand es der Dichter denn anders? Wie königlich und durchaus nicht schurkenhaft läuft sein Ehrgeiziger vom Augenblick des großen Verbrechens an seine Bahn! Erst von da ab zieht er "dämonisch" an und reizt ähnliche Naturen zur Nachahmung auf – dämonisch heißt hier: zum Trotz gegen Vorteil und Leben, zugunsten eines Gedankens und Triebes" ("Morgenröte" 240)
"Das Problem in der Zeit der griechischen Tragödie war: wie konnten diese gräßlichen Dinge eigentlich geschehen, während die Thäter Heroen und keine Verbrecher waren? Dies war die große Übung in der Psychologie Athens" (F 1880 4[22]).
"Der Vatermörder und der im Incest lebende Oedipus ist zugleich der Räthsellöser der Sphinx, der Natur" (F 1871 7[22]).
"Ödipus ["der weise Ödipus" (saepe)] sei doch eigentlich ein leidenschaftlicher Gesell gewesen, ohne alle christliche Milde: er gerate ja einmal sogar in eine ganz unziemliche Hitze – als ihn Tiresias das Scheusal und den Fluch des ganzen Landes nenne" ("Über die Zukunft")
"wie könnte man die Natur zum Preisgeben ihrer Geheimnisse zwingen, wenn nicht dadurch, daß man ihr siegreich widerstrebt, d.h. durch das Unnatürliche? […] Ja der Mythus scheint uns zuraunen zu wollen, daß die Weisheit und gerade die dionysische Weisheit ein naturwidriger Greuel sei, daß der, welcher durch sein Wissen die Natur in den Abgrund der Vernichtung stürzt, auch an sich selbst die Auflösung der Natur zu erfahren habe. ‘Die Spitze der Weisheit kehrt sich gegen den Weisen; Weisheit ist ein Verbrechen an der Natur’: solche schreckliche Sätze ruft uns der Mythus zu: der hellenische Dichter aber berührt wie ein Sonnenstrahl die erhabene und furchtbare Memnonssäule des Mythus, so daß er plötzlich zu tönen beginnt – in sophokleischen Melodien!" ("Die Geburt" 9).
"Die Symbolik der Geschlechtsliebe. Hier wie in der Platonischen Fabel zeigt sich die Sehnsucht nach dem Einssein [, ] Die Liebe, blind wie sie ist, wirft mit wüthender Hast wieder die Elemente an einander, versuchend ob sie sie wieder zum Leben bringt. Hier und da gelingt es. Es setzt sich fort. Ein Ahnungsgefühl in den belebten Wesen entsteht, daß sie noch höhere Vereinigungen erstreben müssen, als Heimat und Urzustand. Eros. Es ist ein furchtbares Verbrechen Leben zu tödten, denn damit strebt man zur Ur_ent_zweiung zurück. Einstmals soll alles wieder ein einziges Leben sein, der seligste Zustand" (F 1872 23[34]; cf. "Verbrechen am Leben"; "das Ureine").
(Dionysiche Weisheit, Götter und Heroen, Verbrecher; Das Verbrechen im Mythos und Kunst: Tragödie, Musik)

"Eine moderne Gesellschaft, bei der jeder einzelne seinen "Vertrag" gemacht hat – der Verbrecher ist ein Vertragsbrüchiger... Das wäre ein klarer Begriff. Aber dann könnte man nicht Anarchisten und prinzipielle Gegner einer Gesellschaftsform innerhalb derselben dulden.." ("Nachlass"739 =  F 1888 14[197]).).
"Siehe die Guten und Gerechten! Wen hassen sie am meisten? Den, der zerbricht ihre Tafeln der Werte, den Brecher, den Verbrecher – das aber ist der Schaffende. Siehe die Gläubigen aller Glauben! Wen hassen sie am meisten? Den, der zerbricht ihre Tafeln der Werte, den Brecher, den Verbrecher – das aber ist der Schaffende" ("Also" Zarathustras Vorrede 9; "Also. Von alten und neuen Tafeln 26).
"Das Verbrechen gehört unter den Begriff: ‘Aufstand wider die Gesellschaftliche Ordnung’. Man ‘bestraft’ einen Aufständischen nicht: man unterdrückt ihn. Ein Aufständischer kann ein erbärmlicher und verächtlicher Mensch sein; an sich ist an einem Aufstande nichts zu verachten, und in Hinsicht auf unsere Art Gesellschaft aufständisch zu sein, erniedrigt an sich noch nicht den Werth eines Menschen. Es giebt Fälle, wo man einen solchen Aufständischen darum selbst zu ehren hätte, weil er an unsrer Gesellschaft Etwas empfindet, gegen das der Krieg noth thut: wo er uns aus dem Schlummer weckt. Damit, daß der Verbrecher etwas Einzelnes thut an einem Einzelnen, ist nicht widerlegt, daß sein ganzer Instinkt gegen die ganze Ordnung im Kriegszustande ist: die That als bloß Symptom Man soll den Begriff der Strafe reduziren auf den Begriff: Niederwerfung eines Aufstandes, Sicherheitsmaßregeln gegen den Niedergeworfenen (ganze oder halbe Gefangenschaft) " ("Nachlass" 740; F 1887 10[50](179)).
"So du weißt, was du thust, bist du selig. So du es aber nicht weißt, bist du verflucht und ein Frevler am Gesetz, sagte Jesus zu einem, der den Sabbat brach; ein Wort für alle Brecher und Verbrecher" (F 1882 3[1]282).
"Man hat viel von der Verunglimpfung wieder zurückzunehmen, mit der die Menschen alle jene bedacht haben, welche durch die Tat den Bann einer Sitte durchbrachen, – im allgemeinen heißen sie Verbrecher. Jeder, der das bestehende Sittengesetz umwarf, hat bisher zuerst immer als schlechter Mensch gegolten: aber wenn man, wie es vorkam, hinterher es nicht wieder aufzurichten vermochte und sich damit zufrieden gab, so veränderte sich das Prädikat allmählich; – die Geschichte handelt fast nur von diesen schlechten Menschen, welche später gutgesprochen worden sind!" ("Morgenröte" 20).
"Es handelt sich hier am wenigsten um den unmittelbaren Schaden, den der Schädiger angestiftet hat: von ihm noch abgesehn, ist der Verbrecher vor allem ein "Brecher", ein Vertrags- und Wortbrüchiger gegen das Ganze, in bezug auf alle Güter und Annehmlichkeiten des Gemeinlebens, an denen er bis dahin Anteil gehabt hat" ("Genealogie" 2.9).

"Der Mensch handelt immer gut." […] Sodann: selbst das absichtliche Schädigen nennen wir nicht unter allen Umständen unmoralisch; man tötet zum Beispiel eine Mücke unbedenklich mit Absicht, bloß weil uns ihr Singen mißfällt, man straft den Verbrecher absichtlich und tut ihm Leid an, um uns und die Gesellschaft zu schützen. Im ersten Falle ist es das Individuum, welches, um sich zu erhalten oder selbst um sich keine Unlust zu machen, absichtlich Leid tut; im zweiten der Staat" ("Menschliches" 2.102).
"Unsere Leiden für die Anderen nützlich machen wie Staat den Tod des Verbrechers" (F 1878 28[21]).
"Sträflich, nie gestraft. – Unser Verbrechen gegen Verbrecher besteht darin, daß wir sie wie Schufte behandeln" ("Menschliches" 2. 66).
"der Staatsbürger verhängt schreckliche Strafen über den Verbrecher, nicht als ego, sondern aus dem alten Instinkte, die That der Grausamkeit des Mordes der Sklaverei (Gefängniß) beleidigt ihn nicht, sobald er sie vom HeerdenInstinkt aus ansieht" (F 1881 11[185]).
"Es ist nicht genug den Verbrecher zu strafen, wir sollten ihn auch noch mit uns versöhnen und ihn segnen: oder liebten wir ihn nicht, als wir ihm wehe thaten? Litten [wir nicht] daran, ihn als Werkzeug zur Abschreckung benutzen zu müssen?" (F 1882 3[1]183).
"So lange Nothwehr und Abschreckung (Mensch als Mittel) innerh[alb] der Gesellschaft, so lange werden die Kriege nicht aufhören. Man vergißt den verhärtenden Einfluß aller strafenden Justiz: die Verachtung der Haß auf die Verbrecher" (F 1879 42[20]).
"Zurückbildend. – Alle Verbrecher zwingen die Gesellschaft auf frühere Stufen der Kultur zurück, als die ist, auf welcher sie gerade steht sie wirken zurückbildend. Man denke an die Werkzeuge, welche die Gesellschaft der Notwehr halber sich schaffen und unterhalten muß: an den verschmitzten Polizisten, den Gefängniswärter, den Henker; man vergesse den öffentlichen Ankläger und den Advokaten nicht; endlich frage man sich, ob nicht der Richter selber und die Strafe und das ganze Gerichtsverfahren in ihrer Wirkung auf die Nicht-Verbrecher viel eher niederdrückende, als erhebende Erscheinungen sind: es wird eben nie gelingen, der Notwehr und der Rache das Gewand der Unschuld umzulegen; und sooft man den Menschen als ein Mittel zum Zwecke der Gesellschaft benutzt und opfert, trauert alle höhere Menschlichkeit darüber" ("Menschliches" 2.2. 186).
"Das Willkürliche im Zumessen der Strafen. – Die meisten Verbrecher kommen zu ihren Strafen wie die Weiber zu ihren Kindern. Sie haben zehn- und hundertmal dasselbe getan, ohne üble Folgen zu spüren: plötzlich kommt eine Entdeckung und hinter ihr die Strafe. […] So wird alles nicht nach dem Verbrecher bemessen, sondern nach der Gesellschaft und deren Schaden und Gefahr […] sollte man noch weiter zurückgehn und die Ursache einer solchen oder solchen Vergangenheit strafen und belohnen, ich meine Eltern, Erzieher, die Gesellschaft usw.: in vielen Fällen wird man dann die Richter irgendwie bei der Schuld beteiligt finden. Es ist willkürlich, beim Verbrecher stehenzubleiben, wenn man die Vergangenheit straft: man sollte, falls man die absolute Entschuldbarkeit jeder Schuld nicht zugeben will, bei jedem einzelnen Fall stehnbleiben und nicht weiter zurückblicken: also die Schuld isolieren und sie gar nicht mit der Vergangenheit in Verknüpfung bringen, – sonst wird man zum Sünder gegen die Logik. Zieht vielmehr, ihr Willens-Freien, den notwendigen Schluß aus eurer Lehre von der ‚Freiheit des Willens‘ und dekretiert kühnlich: ‚keine Tat hat eine Vergangenheit‘" ("Menschliches" 2.2. 28 y 28).
"Es gibt einen Punkt von krankhafter Vermürbung und Verzärtlichung in der Geschichte der Gesellschaft, wo sie selbst für ihren Schädiger, den Verbrecher Partei nimmt, und zwar ernsthaft und ehrlich. Strafen: das scheint ihr irgendworin unbillig – gewiß ist, daß die Vorstellung ‚Strafe‘ und ‚Strafen-Sollen‘ ihr wehtut, Diese Deutschen haben sich mit furchtbaren Mitteln ein Gedächtnis gemacht, um über ihre pöbelhaften Grund- Instinkte und deren brutale Plumpheit Herr zu werden: man denke an die alten deutschen Strafen, zum Beispiel an das Steinigen (– schon die Sage läßt den Mühlstein auf das Haupt des Schuldigen fallen), das Rädern (die eigenste Erfindung und Spezialität des deutschen Genius im Reich der Strafe!), das Werfen mit dem Pfahle, das Zerreißen- oder Zertretenlassen durch Pferde (das ‚Vierteilen‘), das Sieden des Verbrechers in Öl oder Wein (noch im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert), das beliebte Schinden ("Riemenschneiden"), das Herausschneiden des Fleisches aus der Brust; auch wohl daß man den Übeltäter mit Honig bestrich und bei brennender Sonne den Fliegen überließ" ("Genealogie" 2.3).
"Wir Aesthetiker höchsten Ranges möchten auch die Verbrechen und das Laster und die Qualen der Seele und die Irrthümer nicht missen, und eine Gesellschaft von Weisen würde sich wahrscheinlich eine böse Welt hinzuerschaffen. ich meine, es ist kein Beweis gegen die Künstlerschaft Gottes, daß das Böse und der Schmerz existirt, wohl aber gegen seine "Güte"?  Aber was ist denn Güte? Das Helfenwollen und Wohlthunwollen, welches ebenfalls solche voraussetzt, denen es schlechter geht! und die schlechter sind!" (F 1881 12[58]).
"Die Gesellschaft muß ihrer so sicher werden, daß sie eine leidliche Summe Verbrechen ertragen kann, ohne im Ganzen dadurch gestört zu werden; ebenso muß der Staat so klug und dauerhaft begründet sein, daß viel Ungeschick und Thorheit seiner Diener ihm nicht wesentlich schädlich wird" (F 1880 3[68]129).
"Wenn die natürlichen Folgen einer Tat nicht mehr "natürlich" sind, sondern durch Begriffs-Gespenster des Aberglaubens, durch "Gott", durch "Geister", durch "Seelen" bewirkt gedacht werden, als bloß ‚moralische‘ Konsequenzen, als Lohn, Strafe, Wink, Erziehungsmittel, so ist die Vorausset zung zur Erkenntnis zerstört – so hat man das größte Verbrechen an der Menschheit begangen. – Die Sünde, nochmals gesagt, diese Selbstschändungs- Form des Menschen par excellence, ist erfunden, um Wissenschaft, um Kultur, um jede Erhöhung und Vornehmheit des Menschen unmöglich zu machen; der Priester herrscht durch die Erfindung der Sünde" ("Antichrist" 49).
(Cf. Schützung, Nützlichkeit, Versuch, Experimentieren, Rache, Heuchelei).

"Mit den Gründen, durch die man die Strafe eines Verbrechens rechtfertigt, kann man auch das Verbrechen rechtfertigen (F 1882 3[1]12).
"Unter den Verbrechern soll man nicht die Schufte suchen, sondern unter denen, die nichts "’verbrechen’" (F 1883 12[1]67).
"Bei uns beschmutzt die Strafe noch mehr als das Verbrechen" (F 1883 12[1]167). "die Strafe reinigt nicht, denn das Verbrechen beschmutzt nicht. Man soll dem Verbrecher die Möglichkeit nicht abschließen, seinen Frieden mit der Gesellschaft zu machen ("Nachlass"740). "Aber man soll nicht Verachtung durch die Strafe ausdrücken: ein Verbrecher ist jedenfalls ein Mensch, der sein Leben, seine Ehre, seine Freiheit risquirt, ein Mann des Muths. Man soll insgleichen nicht die Strafe als Buße nehmen; oder als eine Abzahlung, wie als ob es ein Tauschverhältniß gäbe zwischen Schuld und Strafe, die Strafe reinigt nicht, denn das Verbrechen beschmutzt nicht" (F 1887 10[50](179). "Ein seltsames Ding, unsre Strafe! Sie reinigt nicht den Verbrecher, sie ist kein Abbüßen: im Gegenteil, sie beschmutzt mehr als das Verbrechen selber" ("Morgenröte" 236)
"alles somit von seinen Richtern keineswegs an sich verworfene und verurteilte Handlungen, sondern nur in einer gewissen Hinsicht und Nutzanwendung" ("Genealogie" 2.14). {Nietzscheanische Strafrecht in "Genealogie" 2.11-14}
"Die Differenz gegen andere Strafen bezieht sich auf den Inhalt der Schuld, nicht auf den Schuldigen? Aber dann sollte auch die Strafe eine sein für alle Verbrechen" (F 1879 42[62]).
"Gesetzt, daß die Strafen proportional wehe thun sollen der Größe des Verbrechens, müßten sie auch proportional der Empfindlichkeit für Schmerz jedem Verbrecher zugemessen werden d.h. es dürfte eine vorherige Bestimmung der Strafe für ein Vergehen gar nicht geben!" (F 1883 7[112]). "Mein leidlich radikales Fragezeichen bei allen euren Straf-Gesetzgebungen ist dieses: gesetzt, daß die Strafen proportional wehe thun sollen gemäß der Größe des Verbrechens, und so wollt ihr"s ja Alle im Grunde! nun, so müßten sie jedem Verbrecher proportional seiner Empfindlichkeit für Schmerz zugemessen werden:  daß heißt, es dürfte eine vorherige Bestimmung der Strafe für ein Vergehen, es dürfte einen Strafcodex gar nicht geben? Aber, in Anbetracht, daß es nicht leicht gelingen möchte, bei einem Verbrecher die Grad-Skala seiner Lust und Unlust festzustellen, so würde man in praxi wohl auf das Strafen verzichten müssen? Welche Einbuße! Nicht wahr? Folglich - -" (F 1885-86 2[28]; ("Nachlass" 743).
"Moral als Heuchelei. Wenn, bei fortschreitender Verfeinerung der Nerven, gewisse harte und grausame Strafen nicht mehr verhängt oder geradezu abgeschafft werden, so geschieht dies, weil die Vorstellung solcher Strafen den Nerven der Gesellschaft mehr und mehr wehe thut: nicht die wachsende Rücksicht auf den Verbrecher, nicht eine Zunahme der brüderlichen Liebe, sondern eine größere Schwäche beim Anblick von Schmerzen bringt diese Milderung des Strafcodex zu Wege" (F 1884 26[189]).
"Wiederherstellung der "Natur": eine Handlung an sich ist vollkommen leer an Werth: es kommt Alles darauf an, wer sie thut. Ein und dasselbe "Verbrechen" kann in einem Fall das höchste Vorrecht, im andern das Brandmal sein. Thatsächlich ist es die Selbstsucht der Urtheilenden, welche eine Handlung resp. ihren Thäter auslegt im Verhältniß zum eigenen Nutzen oder Schaden (oder im Verhältniß zur Ähnlichkeit oder Nicht-verwandtschaft mit sich)" (F 1887 10[47](177)).
"Man soll sich hüten, den Wert eines Menschen nach einer einzelnen Tat zu behandeln. Davor hat Napoleon gewarnt. Namentlich sind die Hautrelief-Taten ganz besonders insignifikant" ("Nachlass"740; F 1887 10[50](179)). "Verbrecher werden von den moralischen Menschen als Zubehör Einer einzigen That behandelt, und sie selber behandeln sich so, je mehr diese Eine That die Ausnahme ihres Wesens war: sie wirkt wie der Kreidestrich um die Henne.  Es giebt in der moralischen Welt sehr viel Hypnotismus" (F 1882 3[1]96). ] { vgl. Nietzsches"s Mensur; "Hypnotismus" von Czermak 1872}.
"das Martern und Foltern von Seiten des Staates /das Stehlen bei Aegyptern /Collectiv-Gewissen und -Verantwortlichkeit. Nicht die Schuld wird gestraft. / Das Verbrechen als Mißgeschick" (F 1883 7[69]).

"Man hält den Verbrecher so lange im Gefängniß bis  "seine Strafzeit abgelaufen". Absurd! Bis er der Gesellschaft nicht mehr feindlich gesinnt ist! Bis er auch für seine Strafe kein Rachegefühl mehr hat! Ihn dann noch länger zu halten wäre 1) Grausamkeit 2) Vergeudung von Kraft, die im Dienste der Gesellschaft wirken könnte 3) Gefahr, ihn rachedurstig zu machen, da er die überflüssige Härte empfindet, also moralische Verschlechterung" (F 1879 42[51]).
"Der Verbrecher ist ein Schuldner, der die ihm erwiesenen Vorteile und Vorschüsse nicht nur nicht zurückzahlt, sondern sich sogar an seinem Gläubiger vergreift: daher geht er von nun an, wie billig, nicht nur aller dieser Güter und Vorteile verlustig – er wird vielmehr jetzt daran erinnert, was es mit diesen Gütern auf sich hat ("Genealogie" 2.3).
"Um wenigstens eine Vorstellung davon zu geben, wie unsicher, wie nachträglich, wie akzidentiell "der Sinn" der Strafe ist, […] Strafe als eine Art Ausgleich für die Vorteile, welche der Verbrecher bis dahin genossen hat (zum Beispiel wenn er als Bergwerkssklave nutzbar gemacht wird)" ("Genealogie" 2.13).
"Ebenso steht es mit der Strafe: sie stellt gegen das Übergewicht, das sich jeder Verbrecher zuspricht, ein viel größeres Gegengewicht auf, gegen Gewalttat den Kerkerzwang, gegen Diebstahl den Wiederersatz und die Strafsumme" ("Menschliches" 2.2.22).
"’Feind’ will ich sagen, aber nicht ‘Verbrecher’: ‘Gewürm’ will ich sagen, aber nicht ‘Schuft’: ‘Kranker’ will ich sagen, aber nicht ‘Ungeheuer’; ‘Narr’ will ich sagen, aber nicht ‘Sünder’" (F 1882 3[1]330).
"Der Kompromiß mit dem Zorn der zunächst durch die Übeltat Betroffenen; ein Bemühen darum, den Fall zu lokalisieren und einer weiteren oder gar allgemeinen Beteiligung und Beunruhigung vorzubeugen; Versuche, Äquivalente zu finden und den ganzen Handel beizulegen (die compositio); vor allem der immer bestimmter auftretende Wille, jedes Vergehn als in irgendeinem Sinne abzahlbar zu nehmen, also, wenigstens bis zu einem gewissen Maße, den Verbrecher und seine Tat voneinander zu isolieren – das sind die Züge, die der ferneren Entwicklung des Strafrechts immer deutlicher aufgeprägt sind" ("Genealogie" 2.10).
"Die privaten und öffentlichen Ankläger. Sieh dir jeden genau an, der anklagt und inquiriert, er enthüllt dabei seinen Charakter: und zwar nicht selten einen schlechteren Charakter als das Opfer hat, hinter dessen Verbrechen er her ist. Der Anklagende meint in aller Unschuld, der Gegner eines Frevels und eines Frevlers müsse schon an sich von gutem Charakter sein oder als gut gelten, und so läßt er sich gehen, das heißt: er läßt sich heraus" ("Morgenröte" 413).
"Vielleicht gibt es ein Verdienst ähnlicher Art an jener Religion, welche die Sündhaftigkeit jedes einzelnen Menschen mit dem Vergrößerungsglase ansehen hieß und aus dem Sünder einen großen, unsterblichen Verbrecher machte: indem sie ewige Perspektiven um ihn beschrieb, lehrte sie den Menschen, sich aus der Ferne und als etwas Vergangenes, Ganzes sehen" ("Fröhliche" 78).

"Denn da wir nun einmal die Resultate früherer Geschlechter sind, sind wir auch die Resultate ihrer Verirrungen, Leidenschaften und Irrtümer, ja Verbrechen; es ist nicht möglich, sich ganz von dieser Kette zu lösen" ("Unzeitegemäsen". Vom Nutzen 3).
"Jener jetzt so wohlfeile und scheinbar so natürliche, so unvermeidliche Gedanke, der wohl gar zur Erklärung, wie überhaupt das Gerechtigkeitsgefühl auf Erden zustande gekommen ist, hat herhalten müssen, ‘der Verbrecher verdient Strafe, weil er hätte anders handeln können, ist tatsächlich eine überaus spät erreichte, ja raffinierte Form des menschlichen Urteilens und Schließens; wer sie in die Anfänge verlegt, vergreift sich mit groben Fingern an der Psychologie der älteren Menschheit" ("Genealogie" 2.4).
"Jene Voraussetzung, die man beim strafwürdigen Verbrechen macht, daß er seine Vernunft absichtlich verleugnet habe, – gerade sie ist bei der Annahme des "freien Willens" aufgehoben. Ihr dürft nicht strafen, ihr Anhänger der Lehre vom "freien Willen", nach euern eigenen Grundsätzen nicht! ("Menschliches" 2.2.23; cf. Genealogie der Moral Zweite Abhandlung; Morgenröte, 202; Morgenröte 65).
"Die Gleichsetzung der Strafen setzt die Gleichsetzung der Verbrechen voraus. Aber es giebt in Bezug auf Motive keine Gleichheit, und geht man bis zur Freiheit des Willens zurück, so ist nicht abzusehen, warum es verschiedene Strafen geben sollten  es müßte nur Eine geben. Aber die Motive strafen wäre unmoralisch, weil man den Unfreien nicht strafen will. Also scheint man in Bezug auf jene Freiheit Unterschiede zu machen, eine größere oder kleinere Freiheit des Willens je nach dem größeren oder kleineren Vergehen. Etwas ganz Unsinniges Unlogisches! Da dann die Freiheit eben keine absolute wäre, d.h. Gewichte da wären, welche die Wagschale nach dieser oder jener Seite sinken machten. Die Gradation der Freiheiten wäre soviel als Unfreiheit annehmen" (F 1879 42[63]).
"Ob die Anhänger der Lehre vom freien Willen strafen dürfen? – Die Menschen, welche von Berufswegen richten und strafen, suchen in jedem Falle festzustellen, ob ein Übeltäter überhaupt für seine Tat verantwortlich ist, […]Dies eben darf nicht einmal mehr gefragt werden: es war eine Tat ohne "darum", ohne Motiv, ohne Herkunft, etwas Zweckloses und Vernunftloses. – Eine solche Tat dürfte man aber, nach der ersten oben vorangeschickten Bedingung aller Strafbarkeit, auch nicht strafen!" (Morgenröte 65).
"Zur Beurteilung des Verbrechers und seines Richters. […] der Verteidiger wird schrittweise jenes verurteilende und Strafe zumessende Erstaunen mildern und zuletzt ganz aufheben, indem er jeden ehrlichen Zuhörer zu dem inneren Geständnis nötigt: "er mußte so handeln, wie er gehandelt hat; wir würden, wenn wir straften, die ewige Notwendigkeit bestrafen." – Den Grad der Strafe abmessen nach dem Grad der Kenntnis, welchen man von der Historie eines Verbrechens hat oder überhaupt gewinnen kann, – streitet dies nicht wider alle Billigkeit?" ("Menschliches" 2.2.24).
"Der Widerstand gegen das Verbrechen ist derart uns angeboren, daß wir sehr leicht bei einem an die Nothwendigkeit glauben, in der er sich befand es zu begehen" (F 1880 6[27]).
(Cf. "Freie Wille", "Notwendigkeit", "Fatum")

  • Groβe Ziele, groβe Verbrechen

"Ist man mit einem großen Ziele nicht bloß über seine Verleumdung erhaben, sondern auch über sein Unrecht? Sein Verbrechen?  So scheint es mir. Nicht daß man es durch sein Ziel heiligte: aber man hat es groß gemacht" (F 1880-81 9[6]).
"Die Menschheit hat kein Ziel: sie kann sich auch ein Ziel geben; nicht für das Ende, nicht die Art erhalten, sondern sie aufheben. Und alles Volk soll sprechen: heilig ist dieser Verbrecher (F 1882 4[20]).
"Mit einem großen Ziele ist man nicht nur seiner Verleumdung, sondern auch einem großen Verbrechen überlegen und erhaben (F 1880 6[271]). "Mit einem großen Ziele. Mit einem großen Ziele ist man sogar der Gerechtigkeit überlegen, nicht nur seinen Taten und seinen Richtern" ("Fröhliche" 267).
"An einem klugen rücksichtslosen Spitzbuben und Verbrecher tadeln wir nicht seinen Egoismus als solchen, der sich auf die feinste Weise äußert, sondern daß dieser sich auf so niedere Ziele richtet und auf sie beschränkt. Sind die Ziele groß, so hat die Menschheit einen anderen Maaßstab und schätzt "Verbrechen" nicht als solche, selbst die furchtbarsten Mittel. Das Ekelhafte ist, ein guter Intellekt im Dienste einer erbärmlichen Anspruchslosigkeit des Geschmacks; wir ekeln uns vor der Art ego, nicht an sich vor dem ego" (F 1881 12[13]).
"Die Quantität im Ziele in ihrer Wirkung auf die Optik der Wertschätzung: der große Verbrecher und der kleine. Die Quantität im Ziele des Gewollten entscheidet auch bei dem Wollenden selbst, ob er vor sich dabei Achtung hat oder kleinmütig und miserabel empfindet" ("Nachlass" 779).
"Da Rée von dem Grundsatze ausgeht, gut sei allein das, was Einer nicht um seiner selber willen thue: so hat er sich in der lächerlichsten Weise selber die Schnur um den Hals gelegt, wenn er der Gesellschaft das Recht geben will, von dem Satze "der Zweck heiligt das Mittel" Gebrauch zu machen. Denn mit allem Strafen von Verbrechen will die Gesellschaft ihre Erhaltung und Förderung, das ist kein Zweifel. Folglich ist ihr Zweck kein guter, kein heiliger: folglich kann ihr Zweck nicht ihre bösen Mittel heiligen" (F 1883 7[24]).
"Die Quantität im Ziele in ihrer wirkung auf die Optik der Werthschätzung: der große Verbrecher und der kleine. Die Quantität im Ziele des Gewollten entscheidet auch bei dem Wollenden selbst, ob er vor sich dabei Achtung hat oder kleinmüthig und miserabel empfindet" (F 1887 9[150]).
"Spencer meint, das eigentlich Moralische sei, die wirklichen natürlichen Folgen einer Handlung in Betracht zu ziehen; nicht Lob Tadel Strafe. Aber dies "in Betracht ziehen" war unmoralisch! Die That wird gethan, was dabei auch herauskommt! Die Rücksicht auf die gesammten Folgen einer That ist nie bisher verlangt worden, und wer sie verlangte, würde die Menschen stille stehen machen. Die Folgen sind unsäglich und unerforschlich: die nächsten Folgen würden durch die ferneren überwogen werden: jedes Verbrechen ließe sich so begründen" (F 1881 12[185]).

"Der Verbrecher ist häufig genug seiner Tat nicht gewachsen: er verkleinert und verleumdet sie" ("Jenseits" 109).
"Ach wen du weidest!/ Gefangne noch weidest du./ Wie sicher ist den Unstäten / doch ein Gefängniß! /wie ruhig schlafen / verbrecherische /Seelen‚ eingefangen" (F 1884 28[9]). "Gewissensbiβ "wie sicher ist dem Unstäten auch / ein Gefängniß!/ wie ruhig schlafen die Seelen / eingefangner Verbrecher! / Am Gewissen leiden nur /Gewissenhafte!" (F 1884 28[22]).  wie sicher ist dem Unstäten auch ein Gefängniß! Wie seelenruhig schlafen doch die Verbrecher!" (F 1885 29[1]). Heimatloser, wie sicher ist dem Unstäten auch ein Gefängniß! Wie ruhig schlafen eingefangene Verbrecher!" (F 1885 31[44]; 32[8]12); F 1884-85 32[8]12).
"Mit dir [Zarathustra] strebte ich in jedes Verbotene, Schlimmste, Fernste: und wenn irgend etwas an mir Tugend ist, so ist es, daß ich vor keinem Verbote Furcht hatte. Mit dir zerbrach ich, was je mein Herz verehrte, alle Grenzsteine und Bilder warf ich um, den gefährlichsten Wünschen lief ich nach – wahrlich, über jedwedes Verbrechen lief ich einmal hinweg. Mit dir verlernte ich den Glauben an Worte und Werte und große Namen. Wenn der Teufel sich häutet, fällt da nicht auch sein Name ab? Der ist nämlich auch Haut. Der Teufel selber ist vielleicht, Haut. […] Solchen Unsteten, wie du, dünkt zuletzt auch ein Gefängnis selig. Sahst du je, wie eingefangne Verbrecher schlafen? Sie schlafen ruhig, sie genießen ihre neue Sicherheit" ("Also". Der Schatten)
"Aber damit vergreift man sich selbst für heute noch an der Wirklichkeit und der Psychologie: und wieviel mehr für die längste Geschichte des Menschen, seine Vorgeschichte! Der echte Gewissensbiß ist gerade unter Verbrechern und Sträflingen etwas äußerst Seltnes, die Gefängnisse, die Zuchthäuser sind nicht die Brutstätten, an denen diese Spezies von Nagewurm mit Vorliebe gedeiht; darin kommen alle gewissenhaften Beobachter überein, die in vielen Fällen ein derartiges Urteil ungern genug und wider die eigensten Wünsche abgeben. Ins große gerechnet, härtet und kältet die Strafe ab; sie konzentriert; sie verschärft das Gefühl der Entfremdung; sie stärkt die Widerstandskraft. […] Unterschätzen wir nämlich nicht, inwiefern der Verbrecher gerade durch den Anblick der gerichtlichen und vollziehenden Prozeduren selbst verhindert wird, seine Tat, die Art seiner Handlung an sich als verwerflich zu empfinden" ("Der Fall Wagner. Der Fall Wager 3).
"wir genießen unsre unordentlicheren, wilderen, verrückteren Augenblicke, wir wären im Stande, ein Verbrechen zu begehen, nur um zu sehn, was es mit einem Gewissensbiß auf sich hat" (F 1886-87 7[46]).
"Verbrecher-Kummer. – Man leidet als entdeckter Verbrecher nicht am Verbrechen, sondern an der Schande oder am Verdruß über eine gemachte Dummheit oder an der Entbehrung des gewohnten Elementes, und es bedarf einer Feinheit, die selten ist, hierin zu unterscheiden. Jeder, der viel in Gefängnissen und Zuchthäusern verkehrt hat, ist erstaunt, wie selten daselbst ein unzweideutiger "Gewissensbiß" anzutreffen ist: um so mehr aber das Heimweh nach dem alten bösen geliebten Verbrechen" ("Morgenröte" 366)

"Im Kampf mit der Bestie ist Krank-machen oft das einzige Mittel, um schwach zu machen. Und genau so wie sich die Brahmanen gegen die Tschandalas wehren (indem sie dieselben krank machen), verurtheilen sie auch die Verbrecher und Aufständischen aller Art zu Schwächungen (dies der Sinn der Büßungen usw.)" (F 1888 15[62]).
"Versuch meinerseits, die absolute Vernünftigkeit des Gesellschaftlichen Urteilens und Wertschätzens zu begreifen (natürlich frei von dem Willen, dabei moralische Resultate herauszurechnen): den Grad von Inquisition, Mißtrauen und Unduldsamkeit, um die Ausnahmen als Verbrecher zu behandeln und zu unterdrücken – um ihnen selbst das schlechte Gewissen zu geben, so daß diese innerlich an ihrer Ausnahmehaftigkeit krank sind" ("Nachlass" 726).
"Zur Pflege der Gesundheit. – Man hat kaum angefangen, über die Physiologie der Verbrecher nachzudenken, und doch steht man schon vor der unabweislichen Einsicht, daß zwischen Verbrechern und Geisteskranken kein wesentlicher Unterschied besteht […] Schaffen wir den Begriff der Sünde aus der Welt – und schicken wir ihm den Begriff der Strafe bald hinterdrein! […] Ehedem freilich tat man dies; in rohen Zuständen der Kultur und jetzt noch bei manchen wilden Völkern, wird der Kranke in der Tat als Verbrecher behandelt, als die Gefahr der Gemeinde und als Wohnsitz irgendeines dämonischen Wesens, welches sich ihm infolge einer Schuld einverleibt hat, – da heißt es: jeder Kranke ist ein Schuldiger! Und wir – sollten wir noch nicht reif für die entgegengesetzte Anschauung sein? sollten wir noch nicht sagen dürfen: jeder "Schuldige" ist ein Kranker? – Nein, die Stunde dafür ist noch nicht gekommen" ("Morgenröte" 202).

"Folgen der décadence: das Laster – die Lasterhaftigkeit; die Krankheit – die Krankhaftigkeit; das Verbrechen – die Kriminalität; das Zölibat – die Sterilität; der Hysterismus – die Willensschwäche; der Alkoholismus; der Pessimismus; der Anarchismus; die Libertinage (auch die geistige). Die Verleumder, Untergraber, Anzweifler, Zerstörer" ("Nachlass"42; F 1888 14[73])). "habe erst nöthig zu lehren, daß das Verbrechen, das Coelibat, die Krankheit Folgen der Erschöpfung sind…" (F 1888 15[13]).
"Grundeinsicht über das Wesen der décadence: was man bisher als deren Ursachen angesehen hat, sind deren Folgen. Damit verändert sich die ganze Perspektive der moralischen Probleme. Laster: Luxus: Verbrechen: selbst Krankheit: : der ganze Moral-Kampf gegen Laster, Luxus usw. erscheint als Naivetät, als überflüssig…: : es giebt keine "Besserung", gegen die Reue. Die décadence selbst ist nichts, was zu bekämpfen wäre: sie ist absolut nothwendig und jeder Zeit und jedem Volk eigen" (F 1888 15[31]).
"Grundeinsicht über das Wesen der décadence: was man bisher als deren Ursachen angesehen hat, sind deren Folgen. Damit verändert sich die ganze Perspektive der moralischen Probleme. Der ganze Moral-Kampf gegen Laster, Luxus, Verbrechen, selbst Krankheit erscheint als Naivität, als überflüssig: – es gibt keine "Besserung" (gegen die Reue). Die décadence selbst ist nichts, was zu bekämpfen wäre: sie ist absolut notwendig und jeder Zeit und jedem Volk eigen. Was mit aller Kraft zu bekämpfen ist, das ist die Einschleppung des Kontagiums in die gesunden Teile des Organismus. Tut man das? Man tut das Gegenteil. Genau darum bemüht man sich seitens der Humanität" ("Nachlass"41; cf. décadence "Nachlass" 40; 116; 246).
"Die Verführung der Menschheit unter dem Mantel der heiligsten Absicht der verbrecherische Gebrauch, der bisher mit dem Worte "Wahrheit" getrieben worden ist. Ich habe eine schlimme und verhängnißvolle Geschichte zu erzählen, die Geschichte des längsten Verbrechens, der unseligsten Verführung, der überlegtesten Giftmischerei, das eigentlich schwarze Ereigniß der Menschheit, unter dessen Bann die tiefsten Instinkte des Lebens verketzert und in Frage gestellt worden sind… […] Laster, Verbrechen, Krankhaftigkeit, Irrsinn, Libertinage auch die geistige, sind Folgen der décadence, Symptome derselben, sie sind folglich unheilbar…" ("Nachlass" 116).
"Die Degenerescenz: Erster Grundsatz: was man bisher als Ursachen der Degeneration ansah, sind deren Folgen. :das Laster: als Folge; :die Krankheit : das Verbrechen die Sterilität die Verleumder Untergraber Anzweifler Zerstörer" (F 1888 14[73, 74]).

"Theorie der Erschöpfung. – Das Laster, die Geisteskranken (resp. die Artisten...), die Verbrecher, die Anarchisten – das sind nicht die unterdrückten Klassen, sondern der Auswurf der bisherigen Gesellschaft aller Klassen.." ("Nachlass"50).
"Die Anthropologen unter den Kriminalisten sagen uns, daß der typische Verbrecher häßlich ist: monstrum in fronte, monstrum in animo. Aber der Verbrecher ist ein décadent. War Sokrates ein typischer Verbrecher? " ("Götzen. Das Problem 3).
"Es scheint, daß viele Verbrechen aus derselben Kraft stammen, aus der die pessimistische Denkweise stammt; sie sind die Entladung dieser Kraft in Handlungen" (F 1880 3[76]137).
"Man soll dem Verbrecher die Möglichkeit nicht abschließen, seinen Frieden mit der Gesellschaft zu machen: gesetzt, daß er nicht zur Rasse des Verbrechertums gehört. In letzterm Falle soll man ihm den Krieg machen, noch bevor er etwas Feindseliges getan hat (erste Operation, sobald man ihn in der Gewalt hat: ihn kastrieren). Man soll dem Verbrecher nicht seine schlechten Manieren noch den niedrigen Stand seiner Intelligenz zum Nachteil anrechnen. Nichts ist gewöhnlicher, als daß er sich selbst mißversteht (namentlich ist sein revoltierter Instinkt, die Ranküne des déclassé oft nicht sich zum Bewußtsein gelangt, faute de lecture), daß er unter dem Eindruck der Furcht, des Mißerfolgs seine Tat verleumdet und verunehrt: von jenen Fällen noch ganz abgesehen, wo, psychologisch nachgerechnet, der Verbrecher einem unverstandnen Triebe nachgibt und seiner Tat durch eine Nebenhandlung ein falsches Motiv unterschiebt (etwa durch eine Beraubung, während es ihm am Blute lag)" ("Nachlass"740; F 1887 10[50](179).).
"Ich lehre: die Heerde sucht einen Typus aufrecht zu erhalten und wehrt sich nach beiden Seiten, ebenso gegen die davon Entartenden (Verbrecher usw.) als gegen die darüber Emporragenden. Die Tendenz der Heerde ist auf Stillstand und Erhaltung gerichtet, es ist nichts Schaffendes in ihr" (F 1884 27[17]).
"Es ist eine Schmach für alle socialistischen Systematiker, daß sie meinen, es könnte Umstände geben, Gesellschaftliche Combinationen, unter denen das Laster, die Krankheit, das Verbrechen, die Prostitution, die Noth nicht mehr wüchse… Aber das heißt das Leben verurtheilen… Es steht einer Gesellschaft nicht frei, jung zu bleiben. Und noch in ihrer besten Kraft muß sie Unrath und Abfallsstoffe bilden. Je energischer und kühner sie vorgeht, um so reicher wird sie an Mißglückten, an Mißgebilden sein, um so näher dem Niedergang sein… Alter schafft man nicht durch Institutionen ab. Die Krankheit auch nicht. Das Laster auch nicht" (F 1888 14[75]; "Nachlass" 40).
"Eure Billigkeit, ihr höheren Naturen, treibt euch zum suffrage universel usw., eure "Menschlichkeit" zur Milde gegen Verbrechen und Dummheit. Auf die Dauer bringt ihr damit die Dummheit und die Unbedenklichen zum Siege: Behagen und Dummheit – Mitte" ("Nachlass" 130).
"Ich wollte, sie hätten einen Wahnsinn, an dem sie zu Grunde giengen, wie der bleiche Verbrecher an seinem Wahnsinn ("Also. Vom bleichen = F 1882 4[229]).
"Temperanz-Bewegung nöthig für Deutschland: die große Mehrzahl der Verbrechen stehen mit Alcohol in Verbindung und ebenso die Selbstmorde!" (F 1880 6[208]).
"Daß die Civilisation den physiologischen Niedergang einer Rasse nach sich zieht. Der Bauer von den großen Städten aufgefressen: eine unnatürliche Überreizung des Kopfes und der Sinne. Die Ansprüche an ihr Nervensystem sind zu groß; Skropheln, Schwindsucht, Nervenkrankheiten, jedes neue Reizmittel steigert nur das rasche Verschwinden der Schwachen: die Epidemien raffen die Schwachen fort…Die Unproduktiven / die Faulheit ist eigen den Nervenschwachen, den Hysterischen, den Melancholikern, den Epileptikern, den Verbrechern" (F 1888 15[40]).
"man könnte die Castration einführen im Kampf mit dem Verbrecher- und Krankenthum (so in Hinsicht auf alle Syphilitiker): aber wozu! man soll ökonomischer denken!" (F 1887 10[100]).
"Die Erlaubniß, Kinder zu zeugen, sollte als eine Auszeichnung verliehen werden, und auf jedem Wege dem so üblichen Geschlechtlichen Verkehre der Charakter eines Mittels der Fortpflanzung genommen werden: sonst werden immer mehr die niedrig gesinnten Menschen die Oberhand bekommen, denn die höheren Geister sind nicht zu eifrig in erotischen Dingen. Wohl sind dies die Tapferen und Kriegerischen, und ihnen verdankt man im Ganzen die bessere Art von Menschen, die noch bestehen. Kommt aber der Handels-Geist zur Übermacht über den kriegerischen, so, Gegen Verbrecher sei man wie gegen Kranke: auch darin, daß man es verabscheut, sie sich fortpflanzen zu machen. Dies ist die erste allgemeine Verbesserung der Sitten, welche ich wünsche: der Kranke und der Verbrecher sollen nicht als fortpflanzbar anerkannt werden" (F 1881 14[16]).
"Es gibt zart und kränklich angelegte Naturen, sogenannte Idealisten, die es nicht höher treiben können als bis zu einem Verbrechen, cru, vert: es ist die große Rechtfertigung ihres kleinen und blassen Daseins, eine Abzahlung für eine lange Feigheit und Verlogenheit, ein Augenblick wenigstens von Stärke: hinterdrein gehen sie daran zugrunde" ("Nachlass" 735).
"Manu selbst sagt: "die Tschandala sind die Frucht von Ehebruch, Inzest und Verbrechen (– dies die notwendige Konsequenz des Begriffs Züchtung)" ("Götzen. Die Verbesser 3).
"Wir haben den Begriff Tschandala auf die Priester, Jenseits-Lehrer und die mit ihnen verwachsene, die christliche Gesellschaft übertragen, hinzugenommen, was gleichen Ursprungs ist, die Pessimisten, Nihilisten, Mitleids-Romantiker, Verbrecher, Lasterhaften, die gesammte Sphäre, wo der Begriff "Gott" als Heiland imaginirt wird…" ("Nachlass" 116) = F 1888 15[43]).
"Dreiviertel der Degenerirten sind aus Dürftigkeit, die Hälfte sind ohne Arbeit. Aber die Dürftigkeit ist bereits eine Folge der Arbeits-Unfähigkeit, des typischen Müßiggangs des Degenerirten…, die einmalige Anstrengung: Symptom. Faulheit, Armut, Verbrechen, Parasitismus, […] in neuropathischen Familien giebt es eine degenerative Selection (Goethe "Wahlverwandtschaften") / das Geschlecht aus dem Laster und dem Verbrechen geboren ist antisocial, auch das Dienstboten-Thier (eine leichte Arbeit und relat[ives] Wohlbefinden) bereitet antisociale Elemente vor (Huren, Diebe, Verbrecher jeder Art) (F 1888 15[37])" (Cf. Charles Féré "The pathology of emotions" 1899, OUP).
"Theorie der Erschöpfung: das Laster die Geisteskranken (resp. die Artisten… die Verbrecher die Anarchisten das sind nicht die unterdrückten Rassen, sondern der Auswurf der bisherigen Gesellschaft aller Classen…" (F 1888 15[53]).

"Dieser heilige Anarchist, der das niedere Volk, die Ausgestoßnen und "Sünder", die Tschandala innerhalb des Judentums zum Widerspruch gegen die herrschende Ordnung aufrief – mit einer Sprache, falls den Evangelien zu trauen wäre, die auch heute noch nach Sibirien führen würde, war ein politischer Verbrecher, so weit eben politische Verbrecher in einer absurd-unpolitischen Gemeinschaft möglich waren" ("Der Antichrist 27). "Dieser heilige Anarchist, der das niedere Volk, die Ausgestoßenen und "Sünder" zum Widerspruch gegen den "herrschenden Stand" aufrief, mit einer Sprache, die auch heute noch nach Sibirien führen würde, war ein politischer Verbrecher, soweit eben ein politisches Verbrechen unter diesen Umständen noch möglich war. Dies brachte ihn ans Kreuz: das Zeugniß dafür ist die Aufschrift des Kreuzes: der König der Juden" (F 1887-88 11[280]).
"Christliche Mißverständnisse. Der Schächer am Kreuz:  wenn der Verbrecher selbst, der einen schmerzhaften Tod leidet, urtheilt: ‘so, wie dieser Jesus, ohne Revolte, ohne Feindschaft, gütig, ergeben, leidet und stirbt, so allein ist es das Rechte’: hat er das Evangelium bejaht: und damit ist er im Paradiese…" (F 1887-88 11[354] (F 1887-88 11[341]).
"Meine Theorie vom Typus Jesu. Der Typus des "Erlösers" verdorben, ja zerstört… Ursachen: das geistige Niveau, in dem sich fortwährend Alles vergröbert, verstellt, verschiebt, die absolute Blindheit gegen sich selbst (hier ist noch nicht einmal der Anfang der Selbsterkenntniß gemacht), die ungeheure Unbedenklichkeit aller Sektirer, sich ihres Meisters wie ihrer Apologie zu bedienen… der Verbrecher-Tod Christi als Räthsel…" (F 1887-88 11[378].

  • Die christliche Moral als Verbrechen

"Der Satz heißt: ‘Die Predigt der Keuschheit ist eine öffentliche Aufreizung zur Widernatur. Jede Verachtung des geschlechtlichen Lebens, jede Verunreinigung desselben durch den Begriff ‘unrein’ ist das Verbrechen selbst am Leben, ist die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist des Lebens" ("Ecce. Warum ich so gute 5). "Hat man mich verstanden? – Was mich abgrenzt, was mich beiseite stellt gegen den ganzen Rest der Menschheit, das ist, die christliche Moral entdeckt zu haben. Deshalb war ich eines Worts bedürftig, das den Sinn einer Herausforderung an jedermann enthält. Hier nicht eher die Augen aufgemacht zu haben, gilt mir als die größte Unsauberkeit, die die Menschheit auf dem Gewissen hat, als Instinkt gewordner Selbstbetrug, als grundsätzlicher Wille, jedes Geschehen, jede Ursächlichkeit, jede Wirklichkeit nicht zu sehen, als Falschmünzerei in psychologicis bis zum Verbrechen. Die Blindheit vor dem Christentum ist das Verbrechen par excellence, das Verbrechen am Leben... " ("Ecce. Warum ich ein Schicksal bin 7).
"Die bisherige Praxis, die rein psychologische und religiöse, war nur auf eine Veränderung der Symptome aus: sie hielt einen Menschen wiederhergestellt, wenn er vor dem Kreuze sich erniedrigte, und Schwüre that, ein guter Mensch zu sein… Aber ein Verbrecher, der mit einem gewissen düsteren Ernst sein Schicksal festhält und nicht seine That hinterdrein verleumdet, hat mehr Gesundheit der Seele… Die Verbrecher, mit denen D[ostoiewsky] zusammen im Zuchthaus lebte, waren sammt und sonders ungebrochene Naturen, sind sie nicht hundert Mal mehr werth als ein "gebrochener" Christ?" (F 1888 14[155]).
"Jesús. Wahrheit!...Und noch einmal verübte der Priester-Instinkt des Juden das gleiche große Verbrechen an der Historie – er strich das Gestern, das Vorgestern des Christentums einfach durch, er erfand sich eine Geschichte des ersten Christentums" ("Der Antichrist" 42)."christliche Werturteile sind es, welche jede Revolution bloß in Blut und Verbrechen übersetzt! Das Christentum ist ein Aufstand alles Am-Boden-Kriechenden gegen das, was Höhe hat: das Evangelium der "Niedrigen" macht niedrig... "  ("Antichrist" 43).
"Die christlichen Moral-Quacksalber. Mitleid und Verachtung folgen sich in schnellem Wechsel, und mitunter bin ich empört, wie beim Anblick eines schnöden Verbrechens. Hier ist der Irrthum zur Pflicht gemacht, zur Tugend, der Fehlgriff ist Handgriff geworden, der Zerstörer-Instinkt systematisirt als "Erlösung"; hier wird aus jeder Operation eine Verletzung, eine Ausschneidung selbst von Organen, deren Energie die Voraussetzung jeder Wiederkehr der Gesundheit ist" (F 1888 14[164] = Nachlass 248).
"Der Physiologe verlangt Ausschneidung des entarteten Teils, er verneint jede Solidarität mit dem Entarteten, er ist am fernsten vom Mitleiden mit ihm. Aber der Priester will gerade die Entartung des Ganzen, der Menschheit: darum konserviert er das Entartende – um diesen Preis beherrscht er sie..." ("Ecce. Morgenröte 2).
"Christenthum. Man hat bisher das Christenthum immer auf eine falsche und nicht bloß schüchterne Weise angegriffen. So lange man nicht die Moral des Christenthums als Capital-Verbrechen am Leben empfindet, haben dessen Vertheidiger gutes Spiel" (F 1888 15[19]).
"Die Kirche bekämpft die Leidenschaft mit Ausschneidung in jedem Sinne: ihre Praktik, ihre "Kur" ist der Kastratismus" (Götzen-Dämmerung. Moral als Widernatur 2; {anathomische, physiologische, uns nicht nur symbolische Kastration}).
"Das ist es nicht, was uns abscheidet, daß wir keinen Gott wiederfinden, weder in der Geschichte, noch in der Natur, noch hinter der Natur – sondern daß wir, was als Gott verehrt wurde, nicht als "göttlich", sondern als erbarmungswürdig, als absurd, als schädlich empfinden, nicht nur als Irrtum, sondern als Verbrechen am Leben... Wir leugnen Gott als Gott.." ("Antichrist" 47)
"Religiöser Mensch", "Narr", "Genie", "Verbrecher", "Tyrann", das sind schlechte Namen und Einzelheiten an Stelle eines Unnennbaren" (F 1882 3[1]114).
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"Vom bleichen Verbrecher […] Ihr wollt nicht töten, ihr Richter und Opferer, bevor das Tier nicht genickt hat? Seht, der bleiche Verbrecher hat genickt: aus seinem Auge redet die große Verachtung. ‘Mein Ich ist etwas, das überwunden werden soll: mein Ich ist mir die große Verachtung des Menschen’: so redet es aus diesem Auge. […] So spricht der rote Richter: "Was mordete doch dieser Verbrecher? Er wollte rauben." Aber ich sage euch: seine Seele wollte Blut, nicht Raub: er dürstete nach dem Glück des Messers! Seine arme Vernunft aber begriff diesen Wahnsinn nicht und überredete ihn. "Was liegt an Blut!" sprach sie; "willst du nicht zum mindesten einen Raub dabei machen? Eine Rache nehmen?" Und er horchte auf seine arme Vernunft: wie Blei lag ihre Rede auf ihm, da raubte er, als er mordete. Er wollte sich nicht seines Wahnsinns schämen. Und nun wieder liegt das Blei seiner Schuld auf ihm, und wieder ist seine arme Vernunft so steif, so gelähmt, so schwer. Wenn er nur den Kopf schütteln könnte, so würde seine Last herabrollen: aber wer schüttelt diesen Kopf? Was ist dieser Mensch? Ein Haufen von Krankheiten, welche durch den Geist in die Welt hinausgreifen: da wollen sie ihre Beute machen. Was ist dieser Mensch? Ein Knäuel wilder Schlangen, welche selten beieinander Ruhe haben, da gehen sie für sich fort und suchen Beute in der Welt. Seht diesen armen Leib! Was er litt und begehrte, das deutete sich diese arme Seele, sie deutete es als mörderische Lust und Gier nach dem Glück des Messers. Wer jetzt krank wird, den überfällt das Böse, das jetzt böse ist: wehe will er tun, mit dem, was ihm wehe tut. Aber es gab andre Zeiten und ein andres Böses und Gutes. Einst war der Zweifel böse und der Wille zum Selbst. Damals wurde der Kranke zum Ketzer und zur Hexe: als Ketzer und Hexe litt er und wollte leiden machen. Aber dies will nicht in eure Ohren: euren Guten schade es, sagt ihr mir. Aber was liegt mir an euren Guten! Vieles an euren Guten macht mir Ekel, und wahrlich nicht ihr Böses. Wollte ich doch, sie hätten einen Wahnsinn, an dem sie zugrunde gingen, gleich diesem bleichen Verbrecher! Wahrlich, ich wollte, ihr Wahnsinn hieße Wahrheit oder Treue oder Gerechtigkeit: aber sie haben ihre Tugend, um lange zu leben, und in einem erbärmlichen Behagen. Ich bin ein Geländer am Strome: fasse mich, wer mich fassen kann! Eure Krücke aber bin ich nicht. – Also sprach Zarathustra" ("Also". Vom bleichen Verbrecher).
"eine verbrecherische Solidarität suchend und seine Herrschaft über ihn gewinnend? Die Spionage. In seinem System hat jedes Mitglied das Auge auf das andere, die Delation ist Pflicht. Jeder gehört Allen und Alle Jedem. Alle sind Sklaven und gleich in der Sklaverei. Die Verleumdung und das Assassinat in den äußersten Fällen, aber überall die "Gleichheit". […] Wir dringen in das Volk selbst ein, wir sind jetzt schon furchtbar stark. Nicht nur die sind die Unsrigen, welche erwürgen, Feuer anzünden und klassische coups machen. Diese hemmen uns mehr… ich begreife nichts ohne Disciplin. ich habe sie alle gezählt: der Lehrer, der sich mit den Kindern über ihren Gott und ihre Wiege moquirt; der Advokat, der einen wohlgebildeten Meuchelmörder vertheidigt, der beweist, daß er eine bessere Erziehung hatte als sein Opfer und daß er, um sich Geld zu verschaffen, kein andres Mittel hatte, als zu tödten; die Studenten, die, um eine Sensation zu erproben, einen Bauern tödten; die Geschworenen, die systematisch alle Verbrecher freisprechen; der Procurator, der vor dem Tribunal zittert, sich nicht liberal genug zu zeigen… Unter der Verwaltung, unter den Gelehrten  wie Viele gehören zu uns! (und sie wissen es nicht!)… Anderseits, überall eine unermeßliche Eitelkeit, ein bestialischer appétit… Wissen Sie, wie viel wir den berühmten Theorien danken? Als ich Rußland verließ, machte die Theorie Littré"s, {"Des origines organiques de la morale" (1870)}der das Verbrechen der Narrheit annäherte, furore; ich komme zurück, und schon ist das Verbrechen nicht mehr eine Narrheit, sondern der bon sens selbst, fast eine Pflicht, zum allermindesten ein nobler Protest" (Nietzsche notiert diesNotierte Sätze von Dostoievski, auf französich "Les possédés", F 1887-88 11[341]). Cf. "Solidarität": Götzen 39; "Aristokratismus" (Nachlass 866); "Solidarität als Tyrannei" (Nachlass 442).

(Die "Verbrechen" gegen die Philosophie, die Philologie, die Logik, die Psychologie, die Tradition, die Mysterien, die humanen Empfindungen, das Leben).
"Diese Schrift ["Götzendämmerung"] ist meine Philosophie in nuce – radikal bis zum Verbrechen .." (Brief an Brandes 881020).
"Es ist als ob ich ein Verbrechen begangen hätte; man hat zehn Monate jetzt geschwiegen, weil wirklich alles glaubt, so gänzlich über meine Schrift hinaus zu sein, daß kein Wort darüber zu verlieren ist" (Brief an Rohde 721025).
"Im Grunde ist es ja eine Verwechslung; ich habe nicht für Philologen geschrieben, obwohl diese – wenn sie nur könnten – mancherlei selbst Rein-Philologisches aus meiner Schrift zu lernen vermöchten. Nun wenden sie sich erbittert an mich, und es scheint, sie meinen, ich habe ein Verbrechen begangen, weil ich nicht zuerst an sie und ihr Verständnis gedacht habe. Auch Rohdes Tat wird erfolglos bleiben" (Brief an Malwida 721104).
"Der geistige Sprengstoff, wie der materielle, kann einem sehr nützlichen Werke dienen; es ist nicht notwendig, daß er zu verbrecherischen Zwecken mißbraucht werde. Nur tut man gut, wo solcher Stoff lagert, es deutlich zu sagen "Hier liegt Dynamit!" (Brief an Malwida 861124).
"Das gebundene Denken gefordert als Moralität: Katzen tödten ein Verbrechen bei den Aegyptern. Man straft die Handlung, nicht die Gesinnung: nicht um abzuschrecken, sondern das allgemeine Verderben von Seiten eines Gottes abzukaufen" (F 1876 17[98]).
"und dies tut er [Heraklit] in Sätzen wie "alles hat jederzeit das Entgegengesetzte an sich" so ungescheut, daß Aristoteles ihn des höchsten Verbrechens vor dem Tribunal der Vernunft zeiht, gegen den Satz vom Widerspruch gesündigt zu haben" ("Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen" 5).
"Zwar urteilt, wie er sich besann, die ganze große Menge der Menschen mit der gleichen Perversität: er selbst hat nur am allgemeinen Verbrechen gegen die Logik teilgenommen. Aber derselbe Augenblick, der ihn dieses Verbrechens zeiht, umleuchtet ihn mit der Glorie einer Entdeckung, er hat ein Prinzip, den Schlüssel zum Weltgeheimnis, abseits von allem Menschenwahne, gefunden, er steigt jetzt, an der festen und furchtbaren Hand der tautologischen Wahrheit über das Sein, hinab in den Abgrund der Dinge" ("Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen" 10).
"Die großen Verbrechen in der Psychologie" ("Nachlass" 296; = F 1887 9[156](108)).
"Was jetzt vor allem zu verhüten ist, das ist das Neu-Experimentiren, das Fortfahren-Wollen in der Prüfung und Auswahl: dem wird eine doppelte Mauer entgegengestellt 1) die Offenbarung 2) die Tradition. Beides sind heilige Lügen: der intelligente Stand der sie erfindet, versteht sie so gut als Plato sie verstand. Die Offenbarung: das ist die Behauptung, daß die Vernunft jener Gesetze nicht Menschlichen Ursprungs, nicht langsam und mit Fehlgriffen gesucht und gefunden ist, sondern daß sie mit Einem Mal von der Gottheit mitgetheilt wurde… Die Tradition: das ist die Behauptung, daß es bereits seit uralten Zeiten so gewesen wäre. Genug, eine principielle Umfälschung der ganzen Geschichte eines Volks" (Beispiel die jüdische Umdeutung nach dem Exil, das Mißverstehenwollen ihrer Vergangenheit) a) es ist gottlos, das Gesetz zu kritisiren b) es ist pietätlos, es ist ein Verbrechen an den Vorfahren  man reizt sie gegen sich auf" (F 18 14[213]).
"Sodann die Tradition, das ist die Behauptung, daß das Gesetz bereits seit uralten Zeiten bestanden habe, daß es pietätlos, ein Verbrechen an den Vorfahren sei, es in Zweifel zu ziehn" ("Antichrist" 57).
"Darum galt ihm [Grieche] auch die Entweihung der Mysterien als das eigentliche Kardinalverbrechen, das ihm selbst noch furchtbarer erschien als die Auflösung des Demos" (1870 7[123]).
"Selbst der Mord kann als geringeres Verbrechen erscheinen, als das finstere Werk der Leute, welche das Leben mit ihren Anklagen vergiften.  Und so geht die unverschämte Schimpferei vor; darin kommt vor: "die Entwurzelung alles Großen und Edlen, die Verhöhnung und Anfeindung aller humanen Empfindungen und Gefühle" ; "im Bunde mit der Ausschweifung und der abgestumpften Ausgelebtheit"  "geht eine vermeinte Philosophie dann kühn daran, den Haß des Lebens und des Lebendigen auszusäen." Nun denke man dabei einmal an Buddha und Christus usw.! "Der Einzelne mag entschuldigt werden, wenn er sich dem Kloster zuwendet; es kann nicht zur allgemeinen Doktrin werden, ohne den Charakter eines intellektualen Verbrechens anzunehmen." Das soll wohl heißen: der Einzelne in seiner praktischen Verneinung mag entschuldigt werden: nicht aber der Einzelne, der eine theoretische Allgemein-Maxime daraus macht, das wäre ein Verbrechen am Intellekt" (F 1875 9[1]).
"Das Verbrecherische im Christ-sein nimmt in dem Maasse zu, als man sich der Wissenschaft nähert. Der Verbrecher der Verbrecher ist folglich der Philosoph.[…] Sechster Satz.  Man soll die "heilige" Geschichte mit dem Namen nennen, den sie verdient, als verfluchte Geschichte; man soll die Worte "Gott", "Heiland", "Erlöser", "Heiliger" zu Schimpfworten, zu Verbrecher-Abzeichen benutzen. Siebenter Satz. – Der Rest folgt daraus. Der Antichrist". (Manuscript von Nietzsche, 30 sept. 1888.  Cf. http://4umi.com/nietzsche/antichrist/gesetz)
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Um besser das Verbrecherische in Nietzsche zu begreifen sollte man das ganze Bedeutungsfeld "Verbrecher" analysieren. Hier sind einige Vokabeln von Nietzsches Schriften um die Wortbildung im Sinnbezirk "Verbrechen" zu untersuchen. Beispiel "*mord*": Elternmord, ermorden, ermordet, ermordeten, Ermordung, gemordet, Gottes-Mord-Büßer, hingemordet, Justizmorde, Massenmord, Menschen-Mord, morden, Mordbrennerei, Morden-Wollen, Mordgelüst, Mordlust, mordlustige, Mordmanie, Mordprozesse, Mordskerl, Mordsühne, Muttermorde, Raubmord, Ritualmordprozeβ, Selbsmord-e-s, Völkermordes. Von "*mörd*": kunstmörderischen, Meuchelmörder, Mörder-s, mörderisch-e-n, Mörder-Kalblütigkeit, Nachbar-Mordes, selbstmörderisch, Selbstmörders, Trübsal-Mörder.
Für eine Untesuchung über das Wortfeld "Verbrecher":
Abschaum, Advocatus diaboli!, Advokat, Anarchist, Ankläger, Anstifter, Aufständischer, Augenzeuge, Ausnahme, Bandit, Barbar, Bestie, Betörer, Betrüger, Bilderstürmer, Blutaussager, Blutsauger, Böse, Bösewicht, Bube, Cagliostro, Canaille, Dämon, Despot, Dieb, Drache, Einbrecher, Eroberer, Erwischter, Faustrecht, Feind, Fischer, Frevler, Führer, Gauner, Gefangener, Gegner, Gelichter, Gesindel, Gewalt-Herr, Gewaltmensch, Gewalttäter, Gotteslästerer, Halsabschneider, Hart, Häβlicher, Henker, Herr, Hyäne, Irre, Jäger, Kanaille, Korse, Lump, Märtyrer, Menschenfresser, Meuchelmörder, Missetäter, Monstrum, Mörder, Narr, Opferer, Plünderer, Polizei, Räuber, Räuber, Raubgetier, Raubmensch, Raubtier, Richter, Satan, Schächer, Schaden, Schädliche, Scheusal, Schinder, Schlecht, Schlimm, Schuft, Schuldig, Schuldner, Schurke, Schwindler, Spitzbube, Stark, Stehler, Straf_Recht, Straßenräuber, Strolch, Schuft, Schurke, Sünder, Tadler, Täter, Teufel, Titanen, Tor, Totschläger, Tyrann, Übeltäter, Übertier, Ungeheuer, Ungetüm, Unhold, Unmensch, Untier, Vampir, Verächter, Verantwortlicher, Verderber, Verführer, Vernichter, Verrückt, Verwüster, Vogelfrei, Wegelagerer, Wild, Wüstling, Xanthippe, Zerstörer, Zeuge, Zuchtmeister.
Angriff, Attentat, Barbarei, Bedrückung, bellum, Biβ, Blut, Böse, Bosheit, Bruch, Brutalität, Buße, Drang, Druck, Duell, Dummheit, Entrüstung, Eroberung, Experiment, Fatum, Feindschaft, Folter, Freiheit, Frevel, Gefahr, Gefängnis, Geheim, Gerechtigkeit, Gesellschaft, Gesetzgeber, Grobheit, Fall, Gewalt, Gewaltherrschaft, (Gutes/Schlechtes) Gewissen, Gewissensbiβ, Gift, Grausamkeit, Handlung, Haβ, Herrschaft, Herrsucht, Hinrichtung, Hitze, Individuum, Intoxication, Instinkt, Irrtum, Justiz, Kampf, Krankheit, Krieg, Kriminalität, Laster, Leben, Leichnam, Leid, Lüge, Macht (Wille zur), Marter, Mensur, Mitleid, Mnemotechnik, Moral, Mord, Neinsagen, Nötigung, Opfer, Pein, Pessimismus, Psychiatrie, Qual, Rache, Ressentiment, Reue, Revolution, Rohheit, Schaden, Schande, Scheiterhaufen, Scheuβlichkeit, Schlacht, Schicksal, Schlacht, Schmerz, Schuld, Schweigen, Selbstmord, Sitte, Spur, Starke, Stärke, Stein, Strafe, Strafrecht, Sturm, Sünde, Sündenbock, Tadel, Tat, Tod, Tötung, Tortur, Tragödie, Trieb, Umsturz, Unglück, Unrecht, Untat, Ursache-Folgen, Urteil, Verantwortung, Verdrängung, Vergebung, Vergeltung, Verhängnis, Verhärtung, Versuch, Wehe, Wehtun, Wert, Widrigkeit, Wildheit, Widernatur, Wille, Wille zur Macht, Züchthaus, Zwang.
abschaffen, angreifen, anklagen, auslöschen, ausrotten, ausstoβen, bannen, beiβen, beklemmen, beseitigen, bezahlen, bluten, braten, brennen, drängen, entarten, entledigen, entschuldigen, erben, erledigen, ermorden, erpressen, ersticken, fechten, foltern, herrschen, hinrichten, jagen, kreuzigen, legitimieren, malträtieren, martern, meucheln, mißhandeln, opfern, peitschen, quälen, rauben, richten, schaden, schädigen, schießen, schlachten, schlagen, schneiden, siegen, stechen, sterben, strafen, tö(d)ten, totschlagen, überwältigen, umbringen, unterwerfen, verdammen, verderben, verfolgen, vergiften, verletzten, verneinen, vernichten, verteidigen, vertilgen, verurteilen, verwunden, verzerren, werwischen, wunden, zähmen, zergliedern, zerlegen, zermalmeln, zerreiβen, zerstören, zugrundegehen, zugrunderichten.
Messer, Hammer, Dynamit, Pistole, Faust, Dolch, Geschütz, Säbel, Schwert, Pfeil, Speer, Peitsche, Gift, Blitz, Kugel, Kanonen, Gewehr, Waffe.
Nietzschische Zoanthropie: ("Vertierung des Menschen": "Menschliches" 247; 362; "Jenseits" 203; "Nachlass" 529; F 1883 7[23]; 21 [6]; F 1888 14[146]; cf. "Wild", "Barbar"). Adler, Bär, Bestie, Biber, Blutegel, Boa, Büffel, Fuchs, Geier, Gewürm, Hyäne, Löwe, Parasit, Panther, Raubthier, Schlange, Schröpkof, Skorpion, spanische Fliege, Spinne, Stier, Tiger, Vampir, Walfisch, Wanze, Wilde Tiere, Wolf, Wurm. Und andere auch symbolische Tiere: Affe, Ameise, Biene, Bock, Eidechse, Esel, Eule, Fisch, Fledermaus, Fliege, Floh, Frosch, Gans, Gemse, Hahn, Hammel, Henne, Hirsch, Hornvieh, Huhn, Hund, Käfer, Kalb, Kamel, Kaninchen, Katze, Kuh, Lama, Lamm, Lerche, Luchs, Maulwurf, Mücke, Ochs, Pavian, Pfau, Pferd, Rabe, Säue, Schaf, Schildkröte, Schmetterling, Schwalbe, Schwan, Schwein, Specht, Sperling, Storch, Strauβ, Taube, Tausendfuβ, Ziege. Unmenschliche Wesen: Alp, Basilisk, Dämon, Drache, Engel, Geist, Gespenst, Halluzination,Harpyie, Hexe, Kobold, Monstrum, Phantasma, Phantom, Phönix, Riese, Roβ, Satyr, Schein, Schreckenbild, Sphinx, Teufel, Tragelaph, Traum, Trugbild, Übertier, Ungeheuer, Unmensch, Untier, Verzückung, Wahnbild, Ziege, Zwerg" (Es bleibt noch die nietzscheanische Theoantrophie: Zeus, Dionysos, Apollo, Ödipus, Orestes, Prometheus, Titanen und andere göttliche tragische Verbrecher mit Mänaden und Satyren).
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"Verbrechen": 1) im Allgemeinen jede widerrechtliche, mit einer Strafe bedrohte Handlung (Violatio legis poenalis).[…] 2) zum Verbrechen im engeren Sinne, Criminal od. peinlichen Verbrechen. Jedes Verbrechen in diesem Sinne enthalt die Übertretung eines Strafgesetzes, womit sich der Verbrecher gegen die öffentliche Ordnung vergeht ü. den von dem Staate gewährleisteten Rechtsfrieden bricht" (Pierer"s Universal-Lexikon 1857-65. Directmedia).
"Verbrechen": im weitern Sinne das strafbare Unrecht. Im engern Sinne bezeichnet Verbrechen die schwerste Art der strafbaren Handlungen (crimen, crime) im Gegensatze zu Vergehen (delictum. délit) und Übertretung (contravention)" (Meyers Großes Konversations-Lexikon (1905), S. 1, http://www.digitale-bibliothek.de/band100.htm . Directmedia ].
"Verbrechen": lat. crimen, delictum, strafwürdiges Unrecht, wobei bald die böse Gesinnung (römisch), bald der angerichtete Schaden (deutsch) stärker betont wird. Dasselbe ist entweder vollendet oder entfernt od. nahe versucht od. nur erst vorbereitet; gerichtet gegen Staat, Kirche, öffentliche Sittlichkeit, öffentlichen Glauben und Treue, gegen Leben, Freiheit, Ehre und Eigenthum der Mitmenschen; verübt vom gemeinen Bürger, oder von Beamten oder von besondern Ständen (Militär, Geistliche); verfolgt u. strafbar absolut auf jedermanns Anzeige, von Staatswegen od. relativ nur auf Klage der hiezu Berechtigten (Betrug, Familiendiebstahl, Ehebruch, Ehrverletzung). Vergehen, geringere strafwürdige Handlungen, Polizei u. Disciplinarübertretungen. Verbrecher, der Schuldige als Urheber, Gehilfe, Begünstiger, der gefehlt hat aus Absicht (dolus) oder Fahrlässigkeit (culpa), zurechnungsfähig. [Lexikon: Verbrechen. Herders Conversations-Lexikon (1854-1857), S. 41119 (vgl. Herder Bd. 5, S. 597) Directmedia Berlin 2005; http://www.digitale-bibliothek.de/band133.htm ]

Sources: Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe, (c) C. Hanser Verlag. Directmedia, http://www.digitale-bibliothek.de/band31.htm;
nietzschesource.org; thenietzschechannel.com; Projekt Gutenberg.de; Archive.org).

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Bernardo Alonso Alonso

rotuloAlonSofia